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Verdrängter Bruder

Eine Dokumentation erinnert an den Musiker Willi Heckmann, der das KZ überlebte

  • Von Thomas Blum
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Onkel Willi arbeitete oft spätabends. Als Berufsmusiker, Varietésänger und Alleinunterhalter, in einer »Nachtbar«, wo er seinen lyrischen Tenor erklingen ließ. Dort und in anderen Vergnügungsetablissements sang er Schlager und Stimmungslieder, in denen es oft ein wenig frivol zuging und bei deren Erklingen die Gäste auch gern mal ein paar Schnäpse zu viel die Kehle hinabfließen ließen. »Susanna / Du hast fast gar nichts mehr an«, so hören wir ihn singen, offenbar handelt es sich um eine alte Grammophonaufnahme. Willi Heckmann, geboren 1897, war beliebt. Und seine Stimme auch. Wir sehen ihn auf alten Schwarzweißfotos, auf denen er meist dandyhafte Posen einnimmt: eingeklemmt zwischen zwei lächelnden Varietétänzerinnen, oder nachdenklich in die Ferne blickend, eine Zigarre in der Hand.

Heckmann war schwul. Und das wurde ihm zum Verhängnis. Denn in der Zeit, in der er ein lebenslustiger, junger Mann war, galt Homosexualität als K...


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