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Von der Umwelttheorie zur Praxis

Gesellschaft für Ökologie zeigt Forschung als Dienstleistung an der Gesellschaft

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Auf der 43. Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ), die kürzlich an der Universität Potsdam stattfand, stellten Wissenschaftler Forschungsergebnisse aus nahezu 40 ökologischen Fachbereichen vor.

Es ist heute beinahe ein Allgemeinplatz, dass die Tier- und Pflanzenvielfalt infolge zunehmender landwirtschaftlicher Intensivierung weiter zurückgeht. Allerdings gibt es da Unterschiede - je nach Art der Bewirtschaftung. Ralf Sauerbrei von der Universität Gießen berichtete in Potsdam beispielsweise über die ökologischen Folgen des Anbaus von Energiemais. Seine Modellierung von Daten über Vogelbrutbestände in ganz Deutschland zeigt, dass Vögel auf landwirtschaftlichen Flächen besonders betroffen sein werden. Zu ihnen gehören die Grauammer, die Feldlerche oder der Neuntöter. Durch den Düngemittel- und Pestizideinsatz auf Maisfeldern gebe es für viele Vögel kaum Nahrung und die intensive Bodenbewirtschaftung, so Sauerbrei, erschwere Bodenbruten. Diese Erkenntnisse seien nach seiner Einschätzung durchaus »naturschutzrelevant«. Deshalb sollten sie bei einer Weiterentwicklung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) berücksichtigt werden. Denn die Förderung der Biogaserzeugung im EEG habe die Ausbreitung von Maismonokulturen befördert.

Aber werden diese Erkenntnisse wirklich Eingang in Politik und praktischen Naturschutz finden? Sauerbrei ist unsicher: »Zumindest was den praktischen Naturschutz betrifft, müssten wir erst einmal wissen, wie sich die Vogelarten tatsächlich entwickeln. Trotz realer Daten ist unsere Arbeit theoretisch und eine Validierung im Feld sehr zeitaufwendig.«

Unter dem Motto »Brücken bauen in der Ökologie«, stand die fachübergreifende Wissenschaft und deren praktische Umsetzung in Politik und Gesellschaft im Fokus der Tagung, erläutert GfÖ-Vizepräsident Florian Jeltsch von der Universität Potsdam. Bedauerlicherweise hätten aber nur sehr wenige Naturschutzpraktiker teilgenommen. Als Forscher selbst im praktischen Naturschutz zu arbeiten sei, so Jeltsch, im heutigen Wissenschaftsbetrieb kaum möglich. Denn für die wissenschaftliche Karriere sei die Zahl der Veröffentlichungen und die Zitierhäufigkeit entscheidend, nicht jedoch, wie viel Zeit man darauf verwendet, eigene Theorien in die Praxis umzusetzen. Dafür seien von Politik und Wissenschaftsförderung Anreize nötig. Wenngleich man davon noch weit entfernt sei, so Jeltsch, öffne sich aber die akademisierte Ökologie zunehmend nach außen. Viele Medien würden heute wissenschaftliche Fachthemen aufgreifen. Dazu gehöre nach Jeltsch Auffassung aber auch, die »teilweise sehr isolierten und speziellen Erkenntnisse« in gesellschaftliche Zusammenhänge zu stellen. »Wir hängen häufig noch im innerdisziplinären und praxisfernen Denken fest. Aber ein Paradigmenwechsel zeichnet sich langsam ab.« Dies sei »ein wichtiger Schritt hin zur ökologischen Forschung als gesellschaftliche Dienstleistung«, meint Jeltsch.

Sauerbrei, der gerade an seiner Dissertation arbeitet, würde zwar gern die eigenen Modellierungsergebnisse auf dem Feld überprüfen, doch dafür fehlen Geld und Zeit.

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