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Mitsubishi investiert in dänische Energiewende

Japanischer Konzern steigt beim nordeuropäischen Windradbauer Vestas ein

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.
Der dänische Windanlagenbauer Vestas war lange in der Krise. Jetzt soll ihn ein Joint Venture mit dem Mitsubishi-Konzern da herausholen.

Der dänische Windradproduzent Vestas will künftig mit Mitsubishi zusammenarbeiten. Deshalb führte sein Management seit über einem Jahr absolut geheime Verhandlungen mit dem japanischen Konzern über ein Engagement bei Vestas. Die Kalkulation auf dem Papier war einfach: Vestas verfügt über bewährtes Know-how sowohl für landbasierte Windräder als auch Offshore-Mühlen, während Mitsubishi den Wunsch und die Finanzkraft hat, bei erneuerbaren Energiequellen im großen Maßstab einzusteigen.

Der Windradproduzent Vestas kann das Geld aus Fernost gut gebrauchen. War er vor einem Jahrzehnt noch unbestrittener Weltmarktführer, so hat er in den vergangenen Jahren mit viel Gegenwind kämpfen müssen. Teils wurde der Markt falsch eingeschätzt und in Zeiten von Krise und Sparplänen wurde in den Neubau und die Erweiterung von Fabriken investiert. Teils hat die grüne Umstellung nicht mehr die politische Rückendeckung, auf die die Windenergie weiterhin angewiesen ist. Die Folge für den Konzern waren Krise, Massenentlassungen und Gerüchte, dass finanziell stärkere Konkurrenten Vestas aufkaufen und aufsplittern würden.

Mitsubishi könnte den dänischen Konzern nun zu neuen Erfolgen führen. Verhandlungen dieser Art haben jedoch zahlreiche Fallgruben, zumal kulturell sehr verschiedene Partner ein gemeinsames Unternehmen planen. Im Ergebnis wurde die Gründung eines Joint Venture für Offshore-Windräder bekanntgegeben, an dem beide Partner zunächst über 50 Prozent verfügen. Solche Konstruktionen, das zeigt die Praxis, machen die Entscheidungsfindung in kontroversen Fragen aber oft schwer.

Deswegen ist es vorgesehen, dass Mitsubishi nach einer Anlaufperiode ein weiteres Prozent übernimmt und Mehrheitsaktionär wird. In diesem Zusammenhang wird der japanische Konzern über die Anfangsinvestition von 100 Millionen Euro hinaus weiteres Kapital in den Windanlagenbauer pumpen. Die Rede ist von 200 Millionen Euro. Vestas wird Fabriken, Arbeitskräfte und vor allem seine Patente einbringen. Die Produktion soll an den bisherigen Standorten in Europa und Nordamerika fortgesetzt werden. Vestas versprach der dänischen Öffentlichkeit, um Arbeitsplätze im Heimatland zu kämpfen.

Strategisches Ziel des Joint Ventures ist es, die Marktführerstellung im Offshore-Bereich zu erringen. Gegenwärtig hat Vestas etwa ein Viertel des Weltmarktes, während Siemens mit seinen hauptsächlich dänischen Standorten über die Hälfte aller Windräder auf hoher See produziert.

Die Hoffnungen ruhen auf einem neuem acht Megawatt-Modell, das wesentlich effektiver und in jedem Fall größer ist als die Modelle der Wettbewerber. Ohne die finanzielle Rückendeckung aus Fernost könnte Vestas die Entwicklung nicht vorantreiben. Gleichzeitig sichert die Verbindung zum japanischen Konglomerat Finanzierungsmöglichkeiten für Großprojekte, deren Kosten bis zu drei Milliarden Euro betragen können. Die Allianz gibt Vestas also Arbeitsruhe nach turbulenten Jahren. Aber eine endgültige Garantie, auch künftig zu den ganz großen der Branche zu gehören, ist es nicht, da auch die Konkurrenz an ihren Entwicklungen weiterarbeitet.

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