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Kochshow statt Politik

Studie: Informationsanteil im Programm von NDR und SWR ist geringer als behauptet

Eine neue Studie über die täglichen Informationsanteile öffentlich-rechtlicher Sender lässt Zweifel daran aufkommen, dass der NDR und der SWR ihren Auftrag als Dritte TV-Programme voll erfüllen. Ersetzen Ratgebersendungen die politische Berichterstattung?

Frankfurt a.M. (epd/nd). NDR und SWR informieren ihre Zuschauer laut einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung nicht so umfangreich wie sie selbst angeben. Die Informationsanteile im täglichen Programm lägen nicht bei bis zu 70 Prozent, sondern bei etwa 50 Prozent, heißt es in der noch nicht veröffentlichten Untersuchung, die dem epd vorliegt. Dieser Wert werde nur erreicht, weil sich die Dritten zu Ratgebersendern mit den Schwerpunkten Garten, Kochen und Tiere entwickelt hätten. Wenn nur die politische Information und die Berichterstattung über gesellschaftlich diskutierte Themen berücksichtigt würden, liege der Anteil am Programm bei nur rund zehn Prozent. Wiederholungen seien dabei berücksichtigt.

Stichprobe 2012 und 2013

Die Ergebnisse »lassen zumindest Zweifel daran aufkommen, dass die untersuchten Dritten ihren Programmauftrag voll erfüllen«, schreibt der Medienwissenschaftler Joachim Trebbe im Vorwort der Studie, die gestern veröffentlicht werden sollte.

Untersucht wurden zwei Programmstichproben zwischen Herbst 2012 und Frühjahr 2013. Beobachtet wurden eine Programmwoche sowie über insgesamt vier Wochen die Hauptnachrichtensendungen und regionalen Magazinsendungen. Ziel der Untersuchung war es, Informations- und Unterhaltungsanteile sowie Anteile für regionale Berichterstattungsformate zu ermitteln.

Im Vergleich zwischen den beiden Dritten und ihrer Konkurrenz zeigte sich, dass die Dritten weniger Sendeplätze für fiktionale Filme und Serien bereitstellen. An einem durchschnittlichen Wochentag lag dieser Wert bei jeweils knapp einem Viertel der Gesamtsendezeit. Das Erste wendet dafür 44 Prozent auf, das ZDF 50 Prozent. RTL und Sat.1 übertreffen diese Anteilswerte mit 55 und 61 Prozent noch einmal deutlich. Beim SWR ist der Studie zufolge die Chance am größten, an einem Wochentag auf Sach- und Ratgeberthemen zu treffen. 43 Prozent seines Programms bestreitet der Sender mit diesen Themen.

Auch beim NDR ist diese Themengruppe mit 36 Prozent dominant. Im Ersten Programm der ARD und im ZDF sind diese Themen mit 19 und 15 Prozent ebenfalls wichtig und auch deutlich höher gewichtet als bei RTL und Sat.1 (sechs und sieben Prozent).

Viele Boulevardthemen

Die starke Betonung der Ratgeber- und Servicethemen hat der Studie zufolge allerdings keine umfangreichere politische Berichterstattung zur Folge. So liegt der Anteil der Berichterstattung über kontroverse gesellschaftliche Themen im Programm des SWR bei zehn Prozent, beim NDR bei 13 Prozent.

Beim NDR stehen die politischen Themen weiter oben auf der Tagesordnung als beim SWR. Im SWR wird laut Studie dagegen stark auf Sachthemen, oft mit regionalem Bezug, gesetzt - etwa Traditionen, Brauchtum und Heimat. Dem NDR attestiert die Studie eine besonders ausgeprägte Berichterstattung über Boulevard-Themen, also Kriminalität, Unfälle und Prominente. Der Umfang übertreffe selbst die auf diesem Feld traditionell starken privaten Programme.

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