Von Fabian Köhler

Ex-NSA-Chef sinniert über gezielte Tötung Snowdens

Vorsitzender von Geheimdienstausschuss bietet Unterstützung an

War es nur ein schlechter Scherz oder ein erschreckender Einblick in die Praxis von US-Geheimdiensten? Auf einer Veranstaltung zur IT-Sicherheit ließ der ehemalige NSA und CIA-Chef Michael Hayden am Donnerstag den Eindruck entstehen, er hätte Whistleblower Snowden gezielt töten lassen.

Eigentlich sollte es eine Diskussion über zukünftige Möglichkeiten des Umgangs mit Risiken im Internet werden. Doch was der ehamalige NSA und CIA-Chef, Michael Hayden, am Donnerstag in den Räumen der Washington Post vorschlug, erinnert eher an die düstere Gegenwart amerikanischer Sicherheitspolitik: Hayden gestand ein, darüber nachgedacht zu haben, Ex-Geheimdienstler und Whistleblower Edward Snowden auf eine Liste für gezielte Tötung setzen zu lassen.

Cybersecurity Summit 2013 ist der Name der Diskussionsveranstaltung, zu der die Washington Post gestern das Who is Who der amerikanischen Sicherheitsszene lud: Den Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses des US-Repräsentantenhauses, Mike Rogers, den ehemaligen stellvertretenden US-Verteideidigungsminister, William J. Lynn III, Vertreter des FBI, von Microsoft und Lockheed Martin. Und eben auch den ehemaligen Chef von CIA und NSA Michael Hayden.

Angesprochen auf die Nominierung Snowdens für den Europäischen Menschenrechtspreis machte Hayden das unerwartet ehrliche wie erschreckende Geständnis, den Whistleblower lieber tot sehen zu wollen: »Ich muss zugeben, in meinen dunklen Momenten während der letzten Monate hatte ich auch daran gedacht, Herrn Snowden zu nominieren, aber das war für eine andere Liste.« Während das Publikum lachte, erntete Hayden umgehendenden Zuspruch durch den Republikaner und Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses des US-Repräsentatenhauses, Mike Rogers. »Ich kann ihnen dabei helfen«, bot dieser an.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hayden auf einer Diskussionsveranstaltung zur IT-Sicherheit Einblicke in seine skurrile Wahrnehmung des Spionageskandals gibt. Auf einer ähnlichen Veranstaltung Anfang August charakterisierte er Unterstützer Snowdens als »Nihilisten und Anarchisten«, sowie »Paarundzwanzigjährige, die seit fünf oder sechs Jahren nicht mit dem anderen Geschlecht gesprochen haben.« Ein »moralisch arroganter Mann«, der wahrscheinlich »als Alkoholiker endet« fügte er als Charaktisierung eines Ex-Geheimdienstlers hinzu. Gemeint hatte er nicht sich selbst, sondern Edward Snowden.

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