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Batterien aus dem Koma erwecken

Zehn Millionen Starterbatterien werden jährlich verkauft - mit einfachen Tricks kann die Lebensdauer verlängert werden

Der Winter rückt näher, das Autofahren wird beschwerlicher, das Fahrzeug anfälliger - vor allem die Elektrik: Statistiken der Automobilklubs zufolge bleibt die Batterie die Pannenursache Nummer eins. Jeder dritte Einsatz, zu dem beispielsweise der ADAC im Jahr 2012 ausrückte, ging auf eine defekte oder entladene Batterie zurück, auch bei Neuwagen. Bei fast allen technischen Bauteilen hat sich die Pannenanfälligkeit in den letzten Jahren verbessert, einzige Ausnahme: die Batterie.

Etwa zehn Millionen Starterbatterien werden pro Jahr in Deutschland verkauft - bei Preisen von 50 bis 300 Euro ein gigantischer Markt. Und ein Abfallproblem: Etwa 1,5 Kilogramm Restmüllschlacke bleibt pro Batterie nach der Verwertung, für die etwa 20 kWh Energie verbraucht werden, übrig.

Für Batterieexperte Klaus Krüger ist das ein Unding: wirtschaftlich wie ökologisch. Denn 70 Prozent der Batterien, die jedes Jahr ersetzt werden, könnten noch »gerettet« werden, sagt der 77-Jährige, der seit Jahrzehnten im Batteriegeschäft tätig ist: früher als Hersteller von Starterbatterien, als ehemaliger Fachbeirat Kfz-Batterien bei der Stiftung Warentest. Krüger sagt, mit ein paar einfachen Vorsorgemaßnahmen könnte der Ausfall von Millionen Batterien im Winter verhindert werden.

Die Crux liegt im Batteriemanagement der modernen Autos: Überbordende Elektronik, Klimaanlage, Standheizung, Hi-Fi-Anlage, etc. - das bringt bei häufiger Kurzstreckennutzung und langen Standzeiten die Strombilanz ins Ungleichgewicht. Es wird mehr Strom verbraucht, als die Lichtbatterie im Fahrbetrieb zur Wiederaufladung erzeugen kann. Die Batterien entladen sich schleichend und auf den Bleiplatten setzt der unheilvolle Effekt der Sulfatierung ein: feinteilige »aktive« Masse verklumpt kristallin, die Kapazität der Batterie sinkt zunehmend. Durch einfache Ladung per Lichtmaschine ist die Kristallbildung nicht rückgängig zu machen.

Das Problem schlapper Batterien im Winter entsteht im Sommer durch Unterladung: »Im Sommer kann man ein Auto auch mit 11,5 Volt noch gut starten«, sagt Krüger: »Aber im Winter geht dann oft gar nichts mehr.« Viele Autofahrer versuchen dann noch eine Aufladung, doch die klappt wegen fortgeschrittener Sulfatierung oft nicht mehr gut. Eine neue Batterie wird gekauft. Dabei liegen viele der vermeintlich »toten« Batterien nur »im Koma«, wie Krüger sagt, Wiederbelebung sei möglich: »Batteriepflege ist keine Hexerei.«

Krügers erster Winter-Tipp: Eine halbe Stunde vor Abfahrt kurz zum Auto zu gehen und eine Wärmflasche auf die Batterie legen: »Am besten noch eine Decke obendrauf, damit die Wärme nach unten gen Batterie abgegeben wird!«

Dem Hauptproblem der Sulfatierung kann auf andere Weise Einhalt geboten werden. Am leichtesten ist es für Autofahrer, die gewissenhaft sind und idealerweise eine Garage haben. Einfache Regel: Wöchentlich die Spannung der Batterie überprüfen, und wenn sie unter 12,4 Volt gefallen ist: Ladegerät mit Überladungsschutz an die Batterie anschließen und nachladen! Klaus Krüger weiß Geschichten zu erzählen von Menschen, die mit dieser Methode die Betriebsdauer auf 20 Jahre verlängern konnten.

Allen anderen empfiehlt er eine einfache, relativ erschwingliche Lösung: Den »Megapulse« - ein 200 Gramm schweres, harzvergossenes und somit spritzwasserdichtes blaues Kästchen, aus dem ein rotes und ein schwarzes Kabel hervorkommen. Krüger vertreibt mit seiner Firma Novitec das 69 Euro teure Gerät. Es wird einfach mit Doppelklebeband an der Batterie angebracht, die Kabel an die Pole angeschlossen. Dann erzeugt der Pulser aus dem Batteriestrom eine Spannungspulsation, immer wenn Spannung von mindestens 12,8 Volt anliegt. Die Pulsation verhindert die Sulfatierung - mit jeder Fahrt ein wenig mehr. Im Schnitt ergebe sich eine Verdreifachung der Lebensdauer der Batterien, verspricht Novitec.

Ist die Sulfatierung bereits fortgeschritten, nimmt man noch ein Ladegerät hinzu. Über mehrere Tage angewendet, kann der Pulser bereits kristallines Bleisulfat wieder in aktive, amorphe Masse zurückverwandeln. Testergebnisse etlicher Fachzeitschriften und des Institutes für Industrielle Elektronik und Materialwissenschaften der TU Wien bestätigen die Wirksamkeit des »Megapulse«.

Klaus Krüger schwärmt, man könne auf diese Art einen Großteil vermeintlicher »Schrottbatterien« wieder in funktionsfähigen Zustand versetzen, vorausgesetzt die Säuredichte der Batterien stimmt. »Die Messung der Säuredichte ist aber heutzutage oft gar nicht möglich, da die Hersteller sogenannte wartungsfreie Batterien ohne Stopfen verkaufen. Da kann man dann auch kein destilliertes Wasser nachfüllen. Dabei ist der Wasserverbrauch zwar gering, aber eben nicht Null.« Wartungsfreiheit sei eine Legende der Hersteller, die dazu diene, den Kunden möglichst oft neue Batterien unterzujubeln.

Und überhaupt, die Hersteller und der Handel! Das sei schon eine besondere Geschichte: Als Krüger vor dreizehn Jahren mit dem Verkauf der Geräte begann, hielt er den Verkauf von mehreren 100 000 Stück pro Jahr für möglich. Bisher sind es im Schnitt etwa 7000 pro Jahr gewesen. Krüger sagt, reich werde er mit dem Megapulse ganz sicher nicht. Stattdessen ignoriert ihn die Branche: Bis heute hat kein Fachgroßhändler das Gerät im Angebot. »Mit Batterien lässt sich einfach viel mehr verdienen«, klagt Wirtschaftsingenieur Krüger, der sich nichts sehnlicher wünscht als einen Test des »Megapulse« durch ADAC oder Stiftung Warentest.

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