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Buchmarkt, Gesellschaft und Politik

Gastkolumne

  • Von Karl-Heinz Dellwo
  • Lesedauer: 3 Min.

In Frankfurt am Main findet in der kommenden Woche erneut die größte Buchmesse Europas statt. Sie ist nur wenig mehr als eine Marktveranstaltung um die Produktion und den Verkauf von Büchern. Während die jährlich im März stattfindende Buchmesse in Leipzig - eine Publikumsmesse, mit etwa 2000 von der Messe organisierten Veranstaltungen - den minimalen Anspruch hochhält, die Inhalte von Büchern zugänglich und diskutierbar zu machen, dem Leser also auch eine politische Bedeutung zugemessen wird, verzichtet die Messeleitung in Frankfurt am Main von vorne herein auf alles Inhaltliche oder das Organisieren von freien Foren, auf denen diskutiert werden könnte. Sie interessiert nur die Ware Buch und wie sie an den Konsumenten zu bringen ist. Von dieser Messeleitung gibt es nichts ohne Cash.

Der Inhalt ist tot, die Verpackung lebt. Die Welt ist käuflich. Und das ist - leider - der ganze Horizont.

Die Buchmesse in Frankfurt ist voll kompatibel zum politischen Mainstream in der deutschen Gesellschaft, wie er gerade in der Bundestagswahl sich erneut manifestierte: Angela Merkels »marktkonforme Demokratie« gegen Peer Steinbrücks Sparkassenwelt, drum herum die neue grüne FDP, die als ideologischen Schmierstoff für ihre Machtbeteiligungssehnsucht den »grünen Kapitalismus« gefunden hat: Auch hier ist jeder Unterschied tot. Und nur die Verpackung zuckt noch.

Ein einziges Weitertrampeln auf dem ausgetretenen Pfad des Bisherigen. Politik dieser Parteien bedeutet nur noch: Dem Bestehenden, also dem Kapitalismus, eine weitere Verlängerungsschleife, sprich Verwertungsschleife zu verschaffen. Auch diese Welt ist käuflich und auch dort ist das der einzige Horizont.

Für politische Verlage ist die Zeit nicht einfach. Lesemüll hier und Lesemüll da. Viel Material zum Totschlagen der Lebenszeit. Der Zweck der Unterhaltungsgesellschaft ist, die Leute systemkompatibel ins Grab zu bringen bevor sie den allumfassenden Betrug an ihrem Leben begreifen.

Da die Krise der Gesellschaft keinen Horizont hat, stoßen wir vor allem auf drei gesellschaftliche Mentalitäten: Hinnehmen, Mitmachen oder Verdrängen. Die vierte Position, die von Revolte und Veränderung, immer verbunden mit der Suche nach neuen Erkenntnissen und neuer Stärke im Klassenkampf, kommt relevant derzeit nicht auf. Sie lässt sich auch nicht so einfach produzieren. Aber man muss auf ihr Kommen vorbereitet sein.

Manche versuchen, durch Steigerung der Selbstausbeutung sich zur besseren, also radikaleren Zeit hinüberzuretten, andere finanzieren ihre politische Seite über Krimis und Belletristik und verlieren sich hoffentlich nicht darin.

Die Legitimation linker Verlage ist der Inhalt ihrer Publikationen, der auf eine - wenn schon nicht revolutionäre - so wenigstens radikale Umwälzung der Gesellschaft sich ausrichtet. Damit stehen wir weiterhin - nicht nur erneut wieder wie auf der Frankfurter Buchmesse - auf verlorenem Posten und harren der Dinge, bis etwas entsteht, das uns kollektiv die Kraft gibt, die Lebensverwertung durch den Kapitalismus zu beenden und uns auf den Weg zur kommunistischen Gesellschaft zu machen.

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