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Liebe, Freundschaft, Verlust, Schuldgefühl

Monika Zeiner: Das Happy End ist das Ja zum Leben

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Über 600 Seiten von einer unbekannten Autorin, ein Cover, das nach einem schnulzigem Liebesroman aussieht und ein Titel, der ebenso klingt - die Ausgangslage war nicht die beste für die Lektüre von Monika Zeiners »Die Ordnung der Sterne über Como«.

Und auch während der ersten 100 Seiten musste ich gegen die Skepsis anlesen, die sich gegenüber personifizierungsträchtigen Sätzen einstellte wie: »Ein Lächeln balancierte unsicher auf ihren Mündern, bevor es herunterfiel« oder: Sie »bahnte sich den Weg durch den Müll, schwebte fast darüber hinweg auf einem Luftkissenboot der Höflichkeit«.

Sie - das ist die Diplomatentochter Hedda, die sich ein paar Monate zuvor von dem Jazzpianisten Tom getrennt hat. Während Toms darauf folgender »Kreativpause« staubt der Flügel ein, die Pizzakartons stapeln sich, das Bad verdreckt, der Bart wächst. Ein Tablettencocktail lässt Tom letztlich zu Boden fallen. Was ihn verwirrt ist nicht Heddas Besuch oder dass sein Agent ihn an die bevorstehende Italientour erinnert. Sondern dass er einen Anruf von Betty Morgenthal erhält: Sie würde sich freuen, ihn auf seiner Konzertreise in Neapel zu treffen.

Bettys und Toms Geschichte begann rund 15 Jahre zuvor in Berlin, wo er Piano studierte, sie Gesang. Ihre Geschichte ist auch die von Marc, Toms bestem Freund und Mitbewohner, gleichzeitig Komponist, der mit seinen Stipendiengeldern Krabben und Chianti für die WG-Küche kauft. Tom sorgt dafür, dass Betty und Marc ein Paar werden. Fortan gibt es nur noch ein Leben zu dritt, was bis zum »fast schmerzhaften Schumann-Moment« gut geht - eine schlaflose Nacht mit Klavier und Gesang, auf die weitere Schumann- und Schubert-Sessions zu zweit folgen. Auf einer Reise nach Italien verbringen Tom und Betty die Nacht miteinander am Comer See. Kurz darauf gehen Marc und Tom zusammen wandern, steigen immer höher in die Berge hinauf und tiefer in den Schnee, und irgendwann kann Tom seinen Freund im dichten Schneetreiben nicht mehr sehen und hören. »Nein. Er ist es nicht«, sagt er ein paar Stunden später im Keller eines Krankenhauses, verzweifelt, ungläubig. Nach der Beerdigung sieht er auch Betty zum letzten Mal.

Es ist eine Geschichte über Liebe und Freundschaft, über Verlust und Trauer und Schuldgefühl. Liest man über die blumigen Beschreibungen, die ineinandergreifenden, barock anmutenden Vergleiche hinweg als befände man sich auf einem Luftkissenboot der Nachsicht, will man Tom auf seiner Reise durch Italien nicht mehr alleine lassen, und teilt mit ihm sowohl seinen Schmerz als auch seine Sehnsucht nach Betty und fühlt sich mit ihm verfolgt von der möglichen Schuld an Marcs Tod.

Dennoch: Bis zuletzt bleibt der leise Verdacht, dass es sich um nicht mehr als einen besseren Unterhaltungsroman handelt, eine Liebesschnulze auf mittlerem Niveau für die akademische Leserschaft. Am Ende nimmt der Roman doch noch eine Wende. Nein, es geht nicht nur darum, dass sich Betty und Tom bis ans Ende ihrer Tage in Liebe vereinen.

Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como. Roman. Blumenbar Verlag. 608 S., geb., 19,99 €.

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