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Beim Preis ist es vorbei mit dem Bioanspruch

Subventionierung von Kantinen geht zurück

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Die Speisepläne der Kantinen sind reich gefüllt: asiatisch, vegan, geräuchert und gegart. Die Ansprüche der hungrigen Mäuler sind gestiegen. Doch mehr zahlen möchte niemand. Ein Bericht aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Halle/Schwerin (dpa/nd). Blumenkohl-Käse-Medaillon mit Rohkostsalat, zarte Hähnchenbrust auf Ratatouillegemüse oder vegetarische Champignontaschen: Die Kantinen im Land bieten Essen für fast jeden Geschmack. Denn die Ansprüche der hungrigen Gäste sind im Laufe der Jahre gestiegen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Wo früher nur eine kleine Auswahl an Gerichten an den Essensausgaben zu finden war, gibt es heute Mahlzeiten von der mediterranen Küche über das Veggie-Gericht bis hin zum asiatischen Wok. Feinschmecker legen besonders auf Bio-Qualität Wert. Doch kaum einer möchte dafür auch tiefer in die Tasche greifen.

»Wer heute keine frische Nahrung anbietet, hat es recht schwer«, sagte der Herausgeber der Internetplattform »diekantinen.de«, David Gunderlach, in Berlin. Salate, Variationen an Speisen und nicht vorgekocht - das wünsche sich der moderne Gaumen. Immer häufiger bieten Caterer aufgrund der hohen Nachfrage auch Bio-Essen.

Doch trotz gewachsener Ansprüche seien viele Kunden nicht bereit, mehr zu zahlen. »Alles über fünf Euro wird nicht gekauft«, sagte Gunderlach. Eine Mahlzeit koste in der Regel um die 3,50 Euro. Früher seien die Preise deutlich niedriger gewesen. Doch Behörden und Unternehmen würden die Mahlzeiten nicht mehr so stark subventionieren - oft aus Sparzwang, erklärte Gunderlach.

Abzüge an der Qualität seien daher die logische Konsequenz, sagte Melanie Nitzschke von der Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt. Kinder müssten für ein Schulessen im Schnitt 1,86 Euro zahlen. »Wenn es den Kriterien für eine gesunde Mahlzeit entsprechen soll, müsste es aber 3,17 Euro kosten«, sagte Nitzsch-ke. Gesund bedeute: maximal zweimal die Woche Fleisch, einmal Fisch, sonst vegetarische Gerichte wie Suppe, Rohkost oder Vollkornessen.

Viele Schulkantinen könnten das bei den niedrigen Preisen nicht gewährleisten, so Nitzschke. Im Rahmen von Aktionen wie dem »Tag der Schulverpflegung« lernten Schüler im Land zunächst, über gesundes Essen nachzudenken. Ziel müsse es sein, ein Bewusstsein für Preise, Leistungen und gute Küche zu bekommen.

Etwa 98 Prozent der Schulen im Land würden eine warme Mahlzeit anbieten, sagte Nitzschke. Doch vor allem ältere Schüler bevorzugten in den Pausen eher den ungesunden Imbiss oder den Bäcker um die Ecke. »Caterer sehen sich einem immensen Konkurrenzdruck ausgesetzt«, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, René Kauschus. Um wieder mehr Schüler für die Angebote zu begeistern, könnten Kantinen unter anderem Menüs anbieten, die die Kinder selbst zusammenstellen können, meinte Nitzschke. Dies sei jedoch ein großer finanzieller Aufwand und benötige viel Platz.

In Mecklenburg-Vorpommern beobachtet man Ähnliches. Meike Halbrügge von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Schwerin sagt, die größte Hürde zum Bio-Mensa-Essen sei wahrscheinlich der Preis. Produkte aus ökologischem Anbau seien teurer als konventionelle, die Verarbeitung sei mitunter aufwendiger.

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