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Wenn weder Bahn noch Bus halten

Einwohner kämpfen für Erhalt der Verbindung zwischen Templin und Joachimsthal

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.

Wenn das Land Bahnlinien abbestellt, dann finanziert es den sich anschließenden Busverkehr nicht ewig. »Wer vertragliche Bindungen eingeht, muss damit leben, dass sie auslaufen können«, sagte Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) auf eine Parlamentsanfrage der CDU. Dabei ging es um die Verbindung Templin-Joachimsthal. Nach dem Ende der Bahnlinie vor sieben Jahren sei nun der Zuschuss des Landes für diesen Busersatzverkehr gestrichen worden, beschwerte sich der CDU-Abgeordnete Henryk Wichmann, »so dass die betroffenen Landkreise diese Aufgabe nun allein finanzieren müssen«.

Vogelsänger wies auf den Vertrag hin, nach dem der Busersatzverkehr fünf Jahre lang vom Land finanziert werden sollte. »Ich habe entschieden, dass aus den fünf Jahren sechs Jahre werden.« Nun sei damit Schluss. Bei der konkreten Linie handelt es sich nicht um eine landesweit bedeutsame Strecke. Dazu hätten die Kriterien Verbindung von Zentren, keine Unterwegshalte, überregionale Netzbedeutung, Wirtschaftlichkeit, Taktverkehr, direkte Linienführung und entsprechender Fahrzeugstandard erfüllt sein müssen. »Das ist da nicht gegeben.«

Mit Blick auf die Unterschriftensammlung des LINKEN-regierten Templin und der FDP-regierten Stadt Eberswalde für die Neueröffnung der Bahnlinie sagte Vogelsänger, »die Wiedereröffnung der Bahnlinie würde einen Millionenbetrag erfordern«. So viele Mittel stünden ihm nicht zur Verfügung. Nichtsdestotrotz werde er die Unterschriften entgegennehmen, »weil es gut ist, dass sich Menschen auch für Infrastruktur einsetzen«.

Vor anderthalb Jahren hatte Vogelsänger weitere Streckenstilllegungen angekündigt, zu denen es dann aber nicht gekommen ist. Allerdings fahren deutlich weniger Bahnen. Es gebe eine Reihe von Verbindungen mit weniger als 500 Fahrgästen täglich, mahnte der Minister. Kritisch gesehen werden die Strecken Pritzwalk-Meyenburg, Neu-stadt/Dosse-Pritzwalk, Rheinsberg Löwenberg, Eberswalde-Frankfurt, Angermünde-Stettin und Königs Wusterhausen-Frankfurt/O. und Britz-Joachimsthal. Seit 1990 wurden etwa zehn Prozent des märkischen Schienennetzes stillgelegt. Zumeist wurden sie durch Buslinien ersetzt.

Wenn stillgelegte Bahnflächen völlig aus dem Schienennetz herausgelöst werden, dann stehe das nicht im Ermessen der Landesregierung. »Wir können das nicht verhindern, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen für die Stilllegung erfüllt sind«, sagte der Verkehrsminister. Sofern das längst stillgelegte Strecken betreffe, bei denen sich kein Betreiber gefunden habe, nehme das ordnungsgemäße Verfahren zur Entwidmung eben seinen Lauf.

Der Finanzrahmen für Verkehrsbestellungen durch das Land wird in den nächsten Jahren deutlich geringer. Laut Vogelsänger müssten die Kunden auch weiter über moderate, an die Preissteigerungen angepasste Ticketpreise zur Kostendeckung beitragen.

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