Im Dienst der Sache

»The Butler« von Lee Daniels

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 4 Min.

Cecils Frau ist seine unbedingte Loyalität zu den wechselnden Präsidenten, denen er dient, schon lange ein Dorn im Auge. Wenn Cecil mal ein Buch liest, sagt sie, ein medizinisches noch dazu, dann kann das nur einen Grund haben: dass die Gesundheit des Mannes im Weißen Haus nicht die beste ist. Ist sie tatsächlich nicht: Der aktuelle Präsident ist Kennedy, der an Nebennierenrindeninsuffizienz leidet und seinen kriegsversehrten Rücken gelegentlich auf dem Fußboden ausstreckt.

Cecil Gaines (Forest Whitaker) ist Butler im Weißen Haus - einer, den man bei seinen täglichen Verrichtungen zwar wahrnimmt, aber allenfalls als beweglichen Teil des Mobiliars. Für Cecil, der früh lernte, dass auf nichts Verlass ist, wenn man sein Leben nicht selbst in der Hand hat, ist die berufliche Nähe zu den wechselnden Regenten seines Landes ein unerhört glanzvoller Alltag. Dass dieser Alltag auf der Prämisse beruht, nichts zu sehen, nichts zu hören, nichts zu denken (und schon gar nicht beim Denken gehört zu werden), nimmt diesem sozialen Aufstieg nichts von seinem Glanz - in Cecils Augen zumindest.

Ein Häuschen für Frau und Söhne, eine sichere Arbeit und ein fester Platz im Gefüge des wichtigsten Haushalts des Landes - sollte das so viel disziplinierte Selbstaufgabe nicht allemal wert sein? Ehefrau Gloria, die ihren Job kündigte, um Haus und Söhne zu versorgen, sieht das anders und greift zum Glas. Oprah Winfrey spielt diese Hausfrau ganz ohne Glamour: Die reichste Frau der USA und reale Ikone der afroamerikanischen Selbstermächtigungsbewegung sieht ihrem Filmehemann dabei zu, wie der seine stumme Nische als schwarzer Diener weißer Machthaber ausfüllt - und trinkt.

Auch Cecils älterer Sohn Louis (David Oyelowo) sieht die Dienstauffassung seines Vaters denkbar kritisch. Er ist der streitbare Aktivist zu dem angepasstem »House Niggah« und immer dabei, wenn die schwarze Bürgerrechtsbewegung in einem ihrer historischen Zusammenstöße mit den weißen Ordnungshütern die Sache der Gleichberechtigung voranbringt: erst als Teilnehmer am Freedom Ride, dann an der Fisk-Univerität in Nashville Zuhörer von Gandhi-Schüler James Lawson, später selbst Schüler von Martin Luther King Jr. und nach dessen Tod bei den Black Panthers, bis die auf Gewalt zu setzen beginnen. Charlie, der jüngere Sohn, hält es eher mit dem Dienen - und fällt als Freiwilliger in Vietnam.

Eugene Allen, die reale Vorlage des fiktiven Cecil Gaines, diente von 1952 bis 1986 unter acht US-Präsidenten. Ein Artikel der »Washington Post« zu Obamas erstem Wahlerfolg feierte diesen älteren Afroamerikaner im Weißen Haus und wurde zur Vorlage für »The Butler«. Regisseur Lee Daniels und Drehbuchautor Danny Strong verkürzten die reale Dienstzeit ihres Helden im Weißen Haus: Statt zu Präsident Trumans Zeiten beginnt Cecil erst 1957 unter Dwight D. Eisenhower seinen Dienst - und tritt damit gleich beim ersten Servieren im Oval Office mitten hinein in die Debatte, ob man nun Truppen mobilisieren solle, um die guten Bürger von Little Rock, Arkansas, davon abzubringen, afroamerikanische Kinder am Besuch »weißer« Schulen zu hindern oder nicht.

So trifft in dieser einen Familie die große Welt und Politik im Weißen Haus, in der Cecil schweigend auf- und abtritt (und Präsidenten bedient, die von namhaften Darstellern in Kurzauftritten meist nicht sehr schmeichelhaft verkörpert werden), auf die kleine Welt im familiären Umfeld, wo Ehefrau Gloria ihre einsamen Nächte ersäuft. Und wo Sohn Louis sein Aufbegehren mit Monaten hinter Gittern bezahlt. Cecil, der sich in den Norden durchkämpfte und sich täglich disziplinieren muss, um seiner Familie ein Mittelklasseleben zu finanzieren, versteht den Sohn nicht, der freiwillig in den Süden zurückgeht und sich dort wegen zivilen Ungehorsams gegen die Segregationsgesetze inhaftieren lässt. Erst ganz zum Schluss dieses langen Films wird er so weit sein, die Baumwollplantagen, von denen er kommt, mit Konzentrationslagern zu vergleichen - und seinem neuen Präsidenten Barack Obama die Aufwartung zu machen.

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