»Wir verändern gerade Brasilien«

Eine Bilanz von Schriftstellern nach zehn Jahren PT-Regierung

  • Von Philipp Lichterbeck
  • Lesedauer: ca. 10.0 Min.

Massenproteste sorgen für Bewegung im fünftgrößten Staat der Erde. Seit Jahresbeginn demonstrieren in Brasilien Menschen für die Verbesserung des Gesundheits- und Bildungssystem und gegen die Austragung von Massenevents wie die Fußball-WM. Wie stellt sich das aktuelle Brasilien aus der Sicht von politischen Schriftstellern dar? Und wie spürbar ist die Revolte aus Lateinamerika in den Frankfurter Messehallen, wo das lateinamerikanische Land Ehrengast ist?

Es ist ein nassgrauer Nachmittag in Rio de Janeiro, als Paulo Lins mit selbstgedrehter Maiszigarette aus dem Wohnhaus tritt. Zum Interview machen wir uns auf den Weg in ein nahes Restaurant und schon auf dem Weg dorthin beginnt Paulo Lins zu erzählen. Er gehört zu den rund 70 Autoren, die dieses Jahr zur Frankfurter Buchmesse eingeladen worden sind, auf der Brasilien Ehrengast ist. Bekannt wurde der 55-jährige Schwarze vor 15 Jahren mit dem Epos »Cidade de Deus« (»Die Stadt Gottes«, Blumenbar Verlag). Darin schilderte er den Aufstieg der Drogengangs in den Favelas von Rio und die Explosion der Gewalt in den Armenvierteln, denen der Staat bis heute mit einer Mischung aus Ignoranz, Bevormundung und Brutalität begegnet. Wegen der unverblümten Darstellungen wurde Lins' Roman in Brasilien ein Bestseller. 2002 erschien dann der Kinofilm »City of God« und wurde zum Welterfolg. In gewisser Weise definierte er das Bild Rios neu: Man konnte d...

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