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Mehr als nur ein Sport

Teil 13 der nd-Serie »Ostkurve«: Michael Schädlich, Präsident des Halleschen FC, will eine Fußball-Aufbauhilfe

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 5 Min.

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Viel Tradition, wenig Wirtschaftskraft: Um seine soziale Aufgabe erfüllen zu können, fordert HFC-Präsident Michael Schädlich eine finanzielle Aufbauhilfe für den Fußball - und hat Ideen dafür.

Michael Schädlich fühlt sich etwas missverstanden. Und schon gar nicht hätte er mit solch einer großen Welle gerechnet. So ganz böse ist der promovierte Wirtschaftswissenschaftler über den Dreh, den seine Worte bekommen haben, dann jedoch nicht. Eine »Aufbauhilfe« für den Fußball in strukturschwachen Regionen hatte der 59-Jährige angeregt. Einerseits ist Schädlich aber nun mal Präsident des Drittligisten Hallescher FC. Denkt man andererseits an strukturschwache Regionen in Deutschland, landet man schnell in den neuen Bundesländern. Diese Mixtur ergab dann in der Öffentlichkeit fast reflexartig: Fußballosten fordert Aufbauhilfe.

Schädlich freut der Anruf des »nd«, wie ihn auch der Anruf von »Le Monde« gefreut hatte, wobei ihn die Kontaktaufnahme durch die große französische Tageszeitung weit mehr überrascht hat. Und er stellt sofort klar: »Ich will überhaupt nicht jammern.« Auch Bittsteller oder Bettler sei er nicht. Er habe sich lediglich Gedanken gemacht: »Warum stagniert die Entwicklung von Vereinen?« Neben hausgemachten Problemen in einigen Klubs wie schwere Managementfehler oder Größenwahn sei es schlicht und einfach die fehlende Wirtschaftskraft. Das wiederum liege an den strukturellen Nachteilen in den jeweiligen Regionen.

Das ist natürlich alles nicht neu. Der Ansatz, den Schädlich bietet, ist es schon. Für eine Aufbauhilfe oder »Förderung«, wie Schädlich es nennt, sollen sich betreffende Klubs mit einem »Entwicklungskonzept« bewerben. Ein entsprechendes Gremium soll diese dann bewerten und über finanzielle Hilfen entscheiden. Woher soll das Geld kommen? Auch auf die wichtigste und alles entscheidende Frage hat Schädlich eine Antwort. Er nennt zwei Quellen: Es gäbe beispielsweise die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Da aber nicht viele Vereine über wirklich vorzeigbare Sicherheiten verfügen, ist dieser Weg eben nur für wenige möglich. Der zweite Vorschlag von Schädlich ist ein »Fond« oder »Pool«. Dort sollen die DAX-Unternehmen einen gewissen Prozentsatz ihres Sponsoringbetrages, den sie bisher nur in die schon erfolgreichen Ballungsgebiete tragen, einzahlen.

Warum das alles? Wer außer den jeweils sportlich Verantwortlichen sollte ein Interesse daran haben, dass der VfB Lübeck aus dem ebenfalls recht strukturschwachen Bundesland Schleswig-Holstein irgendwann wieder aus der Fünftklassigkeit auftaucht? Oder dass der 1. FC Magdeburg, Carl Zeiss Jena und der FSV Zwickau wieder überregionale Bedeutung gewinnen? Dass es »tausend wichtigere Dinge als Fußball« gibt, weiß auch Michael Schädlich. Schon von Berufs wegen. In Halle/Saale hat er das Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung aufgebaut und ist dessen Geschäftsführer. Präsident beim Halleschen FC ist er ehrenamtlich. Aber dass Fußball mehr als nur ein Sport ist, auch das weiß er.

»Es muss ein psychologisches Interesse bestehen, über den Fußball bestimmte Regionen zu fördern«, sagt Schädlich. Strukturschwache Regionen, in denen es Menschen an Chancen und Perspektiven mangelt. Dass sind natürlich nicht nur die neuen Bundesländer - aber eben dort hat bis heute kein einziger DAX-Konzern seinen Sitz. Auf knapp 80 Prozent taxiert Schädlich die Wirtschaftskraft des Ostens im Vergleich zum Westen. Und es ist ja nicht zuletzt immer wieder der Deutsche Fußball Bund (DFB), der die soziale Verantwortung des Fußballs hervorhebt.

Aber vom DFB kommt nicht nur Schädlich zu wenig. Das »Premiumprodukt«, wie Schädlich die 3. Liga scherzhaft nennt, ist nur ein Bespiel. In der höchsten Spielklasse des DFB kämpfen viele Vereine ob der hohen Anforderungen des Verbands und des im Gegensatz dazu sehr geringen finanziellen Ertrags ums Überleben. Ein anderes Beispiel ist die Antwort des DFB auf seine Ideen: Eine zusätzliche Unterstützung gäbe es ja schon. Vom DFB könnten Klubs aus der 3. Liga und der Regionalliga jetzt pro Saison 175 000 Euro erhalten. Wenn sie ein Nachwuchsleistungszentrum haben, das den höchsten Zertifizierungsstandards entspricht.

Der Haken: Die Nachwuchsleistungszentren sind für jeden kleineren Verein ein Zuschussgeschäft. Mit dem sozialen Auftrag des Fußballs werden die Klubs aber täglich in der Trainingsarbeit mit Kindern und Jugendlichen konfrontiert. Und auch in diesem Punkt landet man schnell wieder im Osten. Nicht nur als sozialem Brennpunkt. Sondern auch als Ort vieler Traditionsvereine - lange erstklassig in der DDR-Oberliga und einige davon mit unvergesslichen Auftritten im Europapokal. Hier wirkt die Faszination doppelt: Fußball und ein legendärer Klub dazu.

»Der Verband muss ein Interesse haben, weiße Flecken auf der Landkarte zu tilgen«, meint Schädlich. In diesem Fall spricht er vom Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV). Schon im fünften Jahr in Folge ist kein Verein mehr aus den neuen Bundesländern mehr in der 1. Liga. Dem widerspricht NOFV-Präsident Rainer Milkoreit: »Wir sind mit Hertha BSC in der 1. Bundesliga vertreten. Die Berliner sind natürlich Bestandteil unserer Fußballfamilie.« Formal hat Milkoreit Recht. Da der Berliner Fußballverband zum NOFV gehört, gehört auch Hertha BSC dazu. Doch allein schon aus der Geschichte haben die Charlottenburger ganz andere Voraussetzungen. Probleme gibt es rund um das Olympiastadion auch, doch andere als in Rostock oder Cottbus.

In Sachen »Aufbauhilfe« ist Milkoreit auch anderer Ansicht: »Nicht umsetzbar und schon ad acta gelegt«. Dabei bezog er sich unter anderem auf eine Aussage von Lothar Lässig. Dem Präsidenten des FC Erzgebirge Aue wäre »der ein oder andere Sponsor wichtiger«. Angesichts der Idee eines Sponsorenpools von Schädlich, gehen in diesem Fall die Ansichten gar nicht so weit auseinander. Eines hat Schädlich mit seinem kontroversen »Diskussionbeitrag« jedenfalls erreicht: Es wurde und wird darüber nachgedacht. Ein wenig wollte er ja auch »eine Reaktion provozieren«.

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