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Faschistenhorden hetzten in Barcelona

Ringen um die Einheit Spaniens wird zunehmend zum bevorzugten Kampffeld von Rechtsextremisten

  • Von Ralf Hutter, Barcelona
  • Lesedauer: 2 Min.
Den »Tag des Spanischtums« nutzten in der katalanischen Hauptstadt Barcelona Faschisten für ihre bedrohliche Botschaft.

»Artur Mas, cámara de gas« - es reimt sich auf Spanisch, den Präsidenten Kataloniens in eine Gaskammer zu wünschen. Die Frage, ob es auch legal ist, konnte die Polizeipressestelle bis Redaktionsschluss nur insoweit beantworten, als dass ihr diese Rufe nicht bekannt seien. Es war der radikalste von vielen radikalen Sprechchören aus den Reihen der rund 300 Personen vor allem aus Katalonien und Madrid, die sich am Samstagmittag in der katalanischen Hauptstadt Barcelona versammelt hatten, um der spanischen Nation zu huldigen und jedem - vor allem dem erstarkten katalanischen - Separatismus entgegenzutreten. Der 12. Oktober ist der »Tag des Spanischtums« und soll an die Landung von Kolumbus in Amerika erinnern, mithin an den Beginn eines genozidalen Kolonialismus. »Wir werden uns nicht für unsere Geschichte entschuldigen«, stand auf dem größten der mitgebrachten Transparente, das der Partei Democracia Nacional gehörte.

Die Hauptbotschaft des aus einer Handvoll Parteien und Gruppen bestehenden Bündnisses »La España en Marcha« (Spanien marschiert oder Spanien auf dem Weg) war die faschistische: Hier war die »Jugend Spaniens« angetreten, die eine »Revolution« vollbringen und »das Land verteidigen« will. In Spanien ist hinsichtlich solcher faschistischer Agitation und der Symbolik mehr erlaubt als etwa in Deutschland.

Von ihrem Treffpunkt, dem Spanien-Platz aus, wo fast nur Presse ihnen Beachtung schenkte und nicht einmal der Verkehr umgeleitet werden musste, zogen die überwiegend männlichen Faschisten auf den nahen Hügel Montjuic, um ihren Festakt zu vollziehen. Wie die Zeitung »La Directa« online berichtete, bedrohten dabei zwei Redner Separatisten mit dem Tod. Ein dritter, Pedro Pablo Peña, erneuerte seine Ankündigung, dass bei einem Loslösungsversuch eines Teils Spaniens Blut fließen werde. Dasselbe hatte der Führer der Partei Alianza Nacional unlängst in eine Fernsehkamera gesagt, den bewaffneten Kampf explizit als Option nennend. Die Generalstaatsanwaltschaft prüft nun ein Verbot der Partei, auf deren Transparent am Samstag »Nationaler Sozialismus« stand.

Der fragwürdige Nationalfeiertag, an dem in Madrid eine Militärparade stattfindet, wurde an anderer Stelle in Barcelona auch von dem Bündnis »Wir sind Katalonien, wir sind Spanien« begangen, deren prominenteste Mitglieder die Regierungspartei Partido Popular und die katalanische Regionalpartei Ciutadans sind. Ihre Kundgebung ist als Gegeninitiative zu den Mobilisierungen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung seit 2012 zu verstehen und hatte im zweiten Jahr großen Erfolg. Auf dem Katalonienplatz zählte die Vertretung der Regierung über 100 000 Menschen, die Polizei 30 000.

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