Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Damals, als alles versandet schien

Erhard Weinholz verdichtet Erinnerungen

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein Ortsname, der etwas Symbolisches hat: Sandwegsheide - da denkt man an stehengebliebene Zeit. Wie viele solcher Orte gibt es wohl heute in der Mark? Ein verfallender Bahnhof, ein geschlossener Laden, Männer, die irgendwie ihren Tag rumbringen, nicht wirklich von jemandem gebraucht. Stillstand, während anderswo Hektik herrscht. Oder soll man’s Geruhsamkeit nennen?

Man ist versucht, das Buch so gegenwärtig zu lesen, auch wenn auf der zweiten Seite schon von »HO« die Rede ist. Könnte es nicht sein, der Laden würde aus ironischer Bequemlichkeit immer noch so genannt? Aber man hat doch die lobende Bemerkung auf dem Rücktitel gelesen, von keinem Geringeren als Fritz Mierau verfasst: »Die Situation vor dem Untergang des DDR-Schiffs kann vermutlich nicht genauer beschrieben werden, jedenfalls nicht aus dieser Perspektive.« - Bloß ist dieser Untergang nun schon 24 Jahre her. 24! Man glaubt es kaum, wie so viele noch davon umgetrieben sind. Erhard Weinholz wohl auch.

Radeln auf der »Straße der Aktivisten«, »Wettbewerbskonzeption IV. Quartal«, »Matineen im Haus des Eisenbahners«, »Weinsauerkraut VEB (K) Gemüseverarbeitung Blagwitz«, »keene Ersatzteile ... Wer ist schuld? Kto winowat? - vermutlich das Zentralkomitee ...« Detailbewusstes Erzählen, sprachlich gekonnt, atmosphärisch dicht.

Wie der Titel, »Ortsgespräch«, ankündigt, gewinnt das Buch seine Lebendigkeit durchs MiteinanderReden. So manche Flasche wird dabei geöffnet; das lockert die Zungen. »Trinke ich noch ein Bier? Oder rauche ich eine?« - Der Ortszeitungsredakteur Stefan fühlt sich manchmal wie gelähmt, aber kein Problem, sich mit Micha und Wolfgang darüber auszutauschen. Damals, als in Sandwegsheide alles wie versandet schien - und doch in gewisser Weise auch offen, im Nachhinein betrachtet.

Erhard Weinholz: Ortsgespräch oder Erinnerung an Sandwegsheide. Trafo Verlag. 113 S., br., 9,80 €.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln