Von René Heilig

AfD-Sternchen in Sachsen ging unter

Die Alternative für Deutschland (AfD) beansprucht vor allem Kompetenz auf dem Wirtschaftssektor. Doch Theorie und Wirklichkeit passen oft nicht zusammen. Beispiel Sachsen.

Nachdem die Alternative für Deutschland (AfD) nicht in den Bundestag einzog, geht manch Star der Bewegung unter. Auch das AfD-Sternchen Frauke Petry, Landeschefin in Sachsen, ist in Bedrängnis geraten. Da sie keinen Rettungsschirm in Form eines auch finanziell lukrativen Bundestagsmandates erringen konnte, ist ihre Firma nun am Ende und insolvent. In einer E-Mail an die sächsischen Parteimitglieder teilte Petry am gestrigen Mittwoch mit: »Sechseinhalb Jahre nach Gründung meines Unternehmens PURinvent GmbH in Leipzig habe ich mich schweren Herzens entschließen müssen, Insolvenz anzumelden.«

Frauke Petry galt als Vorzeige-Powerfrau der Aklternative für Deutschland. Sie wurde im Jahr 1975 in Dresden geboren, studierte in England und Göttingen Chemie, promovierte und versuchte dann Patente ihrer Mutter zu neuartigen Polyurethan-Kunststoffen in Form von eigenen Produkten zu vermarkten. Doch ihr 2005 gegründetes und seit 2007 nach deutschem Recht geführtes Unternehmen zeichnete sich von Anfang an durch eine erkennbare finanzielle Schlagseite aus. Frau Petry hat quasi seit sechs Jahren vor allem Geld verbrannt. Die seither im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsberichte zeigen einen stetigen Abbau des Anlagevermögens und eine kontinuierliche Zunahme der Verbindlichkeiten bei fallender Liquidität.

Mit der Insolvenz reiht sie sich ein in die Schar anderer AfD-Pleitiers, die ihre Existenz mit einem Abgeordnetenmandat absichern wollten und zum Teil noch immer wollen. Obwohl die junge Partei von rund zwei Millionen Bürgern gewählt wurde, scheiterte sie bei den Bundestagswahlen im September an der Fünf-Prozent-Hürde. Gerade einmal rund 130 000 Stimmen fehlten für den Einzug in den Reichstag. Nun visieren die Parteimacher vor allem die im kommenden Jahr anstehende Wahl zum Europaparlament an, um ihre Partei in Deutschland zu stabilisieren. Die AfD nutzt dabei jede sich bietende öffentlichkeitswirksame Auftrittsmöglichkeit.

In ihrer Mail an die Basis wirbt Petry nun abermals um das Vertrauen der sächsischen AfD-Mitglieder und kündigt an: »Ich möchte meine Arbeit für die Alternative für Deutschland trotz des beruflichen Einschnitts unvermindert fortsetzen.«

Petry wird neben Peter Scholl-Latour, der einstigen Tagesschau-Sprecherin Eva Herman und dem umstrittenen Buchautoren Thilo Sarazzin (SPD) auf einer für November in Leipzig angekündigten »Konferenz für Souveränität« auftreten. Veranstalter ist das dubiose Compact-Magazin von Jürgen Elsässer. Es geht laut Einladung um die »Zukunft der Familie«. Man will unter Beteiligung von gleich gesinnten Referenten aus dem Ausland über »Familienfeindlichkeit, Geburtenabsturz, sexuelle Umerziehung« debattieren. Kernfrage der Konferenz: »Werden Europas Völker abgeschafft?«

Die sächsische Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz (Linksfraktion) hält Petry für eine »eine der exponiertesten Vertreterinnen eines deutlichen Rechtskurses der AfD«. Wenn sie jetzt bei dieser Konferenz, die bereits heftig als homosexuellenfeindlich kritisiert worden ist, auftrete, zeige das, wie rasch sich die AfD besonders in Sachsen »zu einer Kraft eindeutig rechts von der CDU entwickelt«, erklärte Köditz.

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