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Staubsauger

Pietro Parolin ist jetzt der zweite Mann im Vatikan nach dem Papst

Seit Dienstag ist er im Amt und wird dieses doch erst »in einigen Wochen« antreten, wie der Vatikan mitteilte. Eine dringende Operation hält Erzbischof Pietro Parolin zurzeit noch von seinen neuen Dienstgeschäften fern. Es handle sich indes nur um einen »kleinen Eingriff«. Was man von der Ernennung des mit 58 Jahren für Vatikan-Verhältnisse ungewöhnlich jungen Italieners zum Kardinalstaatssekretär durch den Papst nicht sagen kann. War es doch die wichtigste Personalentscheidung, die Franziskus seit seiner Wahl zum Pontifex im März traf.

Parolin ist sozusagen ein mit allen Weihwassern gewaschener Diplomat und Kurienkenner, der weder auf internationalem Parkett ausrutschen noch sich in den Wandelgängen des Vatikans verlaufen dürfte. Er absolvierte die Päpstliche Diplomatenakademie und arbeitete an den Nuntiaturen in Nigeria, Mexiko und Venezuela. Als vatikanischer Untersekretär der Sektion für die Beziehungen mit den Staaten führte er unter anderem die komplizierten Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit Israel.

Solche Weltläufigkeit unterscheidet Parolin wesentlich von seinem Amtsvorgänger Tarcisio Bertone. Der hatte sich zwar als treuer Paladin seines Dienstherrn Papst Benedikt XVI. gesehen, diesen aber durch sein wenig diplomatisches und von Provinzialität geprägtes Agieren respektive Nichtagieren in diverse Dilemmata bugsiert. Vor allem wären Bertone Aussagen nicht über die Lippen gekommen, mit denen Parolin bereits vor seinem Amtsantritt ein locker-liberales Ambiente verbreitete - was bei etwas gutem Willen im kirchlich-konservativen Milieu indes so schwer nicht ist. Denn seine Interview-Äußerung »Der Zölibat ist kein Dogma« entspricht durchaus katholischer Lehre. Doch hätte das Diktum, dieser könne »zur Diskussion gestellt werden, weil er eine kirchliche Tradition ist«, in früheren Zeiten das jähe Ende einer kurialen Karriere bedeuten können.

Der neue Wind im Vatikan gefährdet nicht die festgerammten Kirchenpfeiler, könnte sie aber von einigem Staub befreien. Auch die Personalie Parolin signalisiert das.

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