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Aufbauhilfe durch den Erzrivalen

Uruguays Fußballer gewinnen gegen Argentinien und an Selbstvertrauen für die Relegation

  • Von Martin Ling, Montevideo
  • Lesedauer: 3 Min.

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Uruguay hat trotz eines 3:2-Erfolgs gegen den Erzrivalen Argentinien die direkte WM-Qualifikation verpasst. Im November muss der WM-Vierte gegen Jordanien nachsitzen.

Es war angerichtet für die Celeste, die Himmelblaue, wie Uruguays Nationalmannschaft von den Einheimischen genannt wird. Wolkenloser himmelblauer Himmel, tagsüber 24 Grad bei schönstem Frühlingswetter und auch abends noch knapp 20. Der Klassiker gegen den Erzrivalen von der anderen Seite des Rio de la Plata, Argentinien, fand meteorologisch unter besten Vorzeichen statt.

Weit schlechter standen die Vorzeichen für die Urus, sich noch eines der beiden verbliebenen zwei südamerikanischen Direkttickets für die Weltmeisterschaft in Brasilien zu sichern. Dafür bedurfte es neben eines eigenen Sieges noch einer Niederlage eines der beiden direkten Konkurrenten Chile und Ecuador, die in Santiago aufeinandertrafen und hoch müssten die Resultate auch noch ausfallen, denn Uruguay lag vier respektive sechs Tore gegenüber Chile und Ecuador zurück.

Der ausgelassenen Stimmung im mit 57 000 Zuschauern voll besetzten altehrwürdigen WM-Stadion von 1930, dem Centenario, tat das keinen Abbruch. Schon 45 Minuten vor Spielbeginn war kaum noch ein freier Platz im bis auf die Haupttribüne unüberdachten Stadionrund zu sehen. Auch aus Argentinien hatten sich 400 Fans aufgemacht, obwohl die Albiceleste schon qualifiziert war, mit einer Reserveelf antrat, und die Gästetickets nur zu einem gepfefferten Einheitspreis von 100 US-Dollar zu ergattern waren.

Bereits beim Warmmachen der Torleute brandete Beifall für Uruguays Spieler auf, gellende Pfiffe für die Argentinier. Eine Tradition, die beim ältesten Fußballklassiker der Neuen Welt, der 1902 erstmals ausgetragen wurde, vermutlich schon immer gepflegt wurde und die sich im Spiel fortsetzte.

Schon nach sechs Minuten explodierte das Stadion. Linksaußen Christian Rodríguez, Spitzname Cebolla (Zwiebel), weil er mit seinen Dribblings den Verteidigern Tränen in die Augen treibt, traf mit einem unhaltbaren Diagonalschuss in den rechten Winkel. Hoffnung keimte auf, wenn es so weitergeht und auch noch die Chilenen nachlegten, könnte es ein himmelblaues Wunder geben. Doch Argentinien konnte sich vom Anfangsdruck der Gastgeber befreien, übernahm im Mittelfeld mit Kurzpassspiel das Kommando und schon in der 15. Minute schloss Maxi Rodríguez von Messis Heimatverein Newell’s Old Boys in Rosario eine schöne Kombination ab.

Es wurde recht still im Stadion, über Minuten anhaltende Fangesänge sind ohnehin die Ausnahme, es dominiert eine hintergründige Geräuschkulisse, die bei Chancen, Fouls und vor allem Toren für die Heimmannschaft zum Orkan anschwillt. So wie beim Elfmetertor vom Liverpooler Stürmerstar Luis Suárez nach einer guten halben Stunde, ergänzt von der Kunde, dass Chile bereits mit zwei Toren vorne lag. Es fehlten noch spielübergreifend drei Tore auf den richtigen Seiten. Sie fielen, aber nicht wie erhofft. Maxi Rodríguez schnürte noch vor der Pause seinen Doppelpack und Ecuador gelang in Santiago das Anschlusstor.

Die Charruas ließen die Köpfe freilich nicht hängen und versuchten nach dem blitzsauberen Kontertor vom Pariser Stürmerstar Edinson Cavani kurz nach der Pause alles, um gegen schwächer werdende Argentinier nachzulegen. Zu mehr als Pfosten und Latte reichte es nicht. Der Sieg wurde trotzdem euphorisch gefeiert und bitteren Beigeschmack sind die Uruguayer vom Mate-Trinken ohnehin gewohnt.

In Uruguay genießt der öffentliche Konsum von Mate-Tee Sonderrechte. Das zeigte sich nicht zuletzt bei den Einlasskontrollen vor dem Stadion. Die Mitnahme des Kürbistrinkgefäßes und der Thermoskanne ist dort erlaubt. Es ist auch nicht bekannt, dass ein Uruguayo jemals mit den quasi heiligen Utensilien geworfen hätte.

Am Dienstagabend bestand dazu ohnehin kein Anlass. Mit mehr als einem Sieg gegen den Erzrivalen hatten nur die kühnsten Optimisten gerechnet. Und nicht nur die halten einen Sieg in den Play-offs gegen Jordanien im November für eine ausgemachte Sache. Der Lohn hätte es in sich: Uruguay wäre als Weltranglistensiebter bei der WM-Auslosung dann unter den gesetzten Teams - neben Gastgeber Brasilien sind das Spanien, Argentinien, Deutschland, Italien, Kolumbien und Belgien.

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