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»Made in«-Label als Standard

EU-Binnenmarktausschuss plant verpflichtende Herkunftsetiketten von Produkten

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Verbraucher sollen wissen, wo die Waren herkommen, die sie kaufen. Deshalb will die EU Hersteller zur Herkunftskennzeichnung verpflichten. Viele Industrievertreter protestieren.

Ein kurzer Blick aufs Etikett und schon ist klar, wo der Pullover, die Jacke oder das Hemd gefertigt wurden. Was bei Kleidung für die Verbraucher längt zur Gewohnheit geworden ist, soll zukünftig in der EU verpflichtend sein.

Heute stimmt der Binnenmarktausschuss des EU-Parlaments über einen entsprechenden Vorschlag zur Produktsicherheit und Marktüberwachung ab. Demnach sollen die bislang freiwilligen Angaben auf Waren zur Pflicht auch für andere Produkte werden. Verbessert werden soll zudem die Überwachung der Produktionskette, um tatsächliche Nachverfolgbarkeit zu gewährleisten.

Industrievertreter in Europa sind sich uneinig, ob sie dieses Verbraucherinteresse teilen. Ein Großteil der deutschen Industrie lehnt eine solche Kennzeichnungspflicht ab, ihre Vertreter haben die Lobbymaschine angeworfen. »Wir glauben, dass das dem Kunden nicht wirklich weiterhilft«, sagt etwa der stellvertretende Bereichsleiter International beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Felix Neugart. Denn die Kennzeichnung sage weder etwas über die tatsächlichen Produktionsbedingen aus noch ermögliche sie eine Rückverfolgung der Produkte zum Hersteller. Er warnt besonders vor negativen Folgen für kleine und mittelständische Unternehmen, die damit mehr Bürokratie zu bewältigen hätten. Zusätzlich, so Neugart, sehe er eine steigende Gefahr für Protektionismus, wenn europäische Hersteller versuchten, sich mit einem der Konkurrenz aufgezwungenem Label selbst Vorteile zu verschaffen.

Unterstützung erhalten die Unternehmen vom CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber: »Der Vorschlag schafft nur Bürokratie, löst aber keine Probleme«, sagt er. »Es würde weniger «Made in Germany» geben, obwohl deutsches Design oder Erfinderkunst dahinterstecken.«

Die deutsche Möbelindustrie dagegen begrüßt den EU-Vorschlag. Sie sieht darin eine Chance, sich stärker gegen Billigprodukte durchzusetzen. Angesichts schwächelnder Exporte ins europäische Ausland und anhaltenden Importdrucks aus Asien sei es notwendig, dass auch markenlose Möbel mit Herkunftssiegeln wie »Made in Germany« oder »Made in China« versehen würden, sagte der Verbandspräsident der Möbelbauer, Elmar Duffner. »Wir treten deshalb für eine europaweit gültige und klare Herkunftskennzeichnung von Möbeln ein.« Er forderte, die Sensibilität in Bezug auf qualitative und soziale Standards müsse nicht nur in der Textilwirtschaft erhöht werden.

Innerhalb des europäischen Arbeitgeberverbandes Businesseurope gehen die Meinungen über den EU-Vorschlag auseinander, erklärt Anette Dragsdahl. Die meisten sähen keinen zusätzlichen Nutzen, einige ihrer Mitgliedsunternehmen jedoch begrüßen die bessere Nachverfolgbarkeit von Produkten.

Vincent Tilman vom europäischen Handelskammer-Dachverband Eurochambres sieht die Länder entlang von Handelsinteressen gespalten: »Diejenigen, die sehr stark Handel treiben, sind eher gegen die Vorschläge, und diejenigen, die stärker selbst produzieren, sind eher dafür.«

Aus Verbrauchersicht entsteht durch verpflichtende Etiketten der Vorteil, mehr Informationen zur Verfügung zu haben. Wichtiger als Herkunftsdaten auf Etiketten sei aber die »lückenlose Rückverfolgbarkeit«, sagte die Direktorin des Dachverbandes europäischer Verbraucherverbände Beuc, Monique Goyens: Sie sei »das A und O einer effektiveren Marktüberwachung und verbesserten Produktsicherheit für Verbraucher«. Dazu gehörten in erster Linie die vollständige Angabe der Adresse des Herstellers und Importeurs, eine Seriennummer auf dem Produkt und zusätzliche Produktmarkierungstechnologien.

Eine endgültige Entscheidung innerhalb der EU wird nicht vor dem Sommer 2014 erwartet.

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