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Billig, billig kann nicht die Lösung sein

Für TMB-Chef Dieter Hütte bietet der Tourismus in Brandenburg immer noch Chancen

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Für strukturschwache Regionen scheint der Tourismus oft die Hoffnungsbranche sein. Dieter Hütte ist der Geschäftsführer der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH. Mit ihm sprach Martin Hardt.

nd: In den vergangenen zwanzig Jahren haben nicht wenige Brandenburger mit ihrem Einstieg in den Tourismus aus der Not eine Tugend gemacht. Wie hat sich der Tourismus entwickelt?
Hütte: Der Tourismus in Brandenburg hat sich über die Jahre mit kontinuierlichen Zuwachsraten zu einem stabilen und starken Wirtschaftsfaktor entwickelt. Im Jahr 2012 haben wir mit 11,5 Millionen Übernachtungen erneut einen Rekord aufgestellt. Die Zahl von touristischen Tagesgästen, die in Brandenburg insbesondere wegen der Nähe zu Berlin überproportional groß ist, liegt bei rund 92 Millionen jährlich. Dazu kommt ein stark gewachsenes Angebot nicht nur von Übernachtungsbetrieben, sondern auch von touristischen Erlebnissen. Das reicht von unseren Thermen und Bädern, über die Flaemingskate bis hin zu Marinas und Hausbootanbietern - ein riesiges Spektrum. Eine große Entwicklung ist aber nicht nur bei der Quantität, sondern auch bei der Qualität der Angebote zu verzeichnen. Das Land hat bereits seit vielen Jahren das Thema Qualität in den Vordergrund gerückt und dies in der aktuellen Tourismuskonzeption auch verankert. Unsere Tourismusakademie bietet die Schulungen und Zertifizierungen zur ServiceQualität Deutschland an. Hier war Brandenburg übrigens Vorreiter und Initiator. Bei der ServiceQualität wie auch beim barrierefreien Tourismus ist es uns gelungen, dass uns andere Länder gefolgt sind.

Der Qualitätsgedanke spielt auch bei unserer Infrastruktur eine große Rolle. Ein gutes Beispiel dafür ist der Radtourismus. In Brandenburg gibt es ein Netz aus 7.000 Kilometern touristischer Radwege. Doch die Menge allein macht natürlich nicht den Unterschied. Die Qualität der Wege und das Erlebnis unterwegs schon. Die Reiseregionen stellen sich dem Prozess der Qualitätskontrolle durch den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Mit Erfolg! Wir gehören zur Top 3 der beliebtesten Radreiseregionen Deutschlands und durch kein anderes Bundesland führen so viele ADFC-zertifizierte Radwege wie durch Brandenburg.

Sieht die TMB Marktlücken, die für Neugründer heute eine Chance sein könnten?
Es gibt durchaus Felder, die noch besetzt werden können.

Ein Stichwort ist die konsequente Ausrichtung auf nachhaltige Angebote. Die Frage nach der Nachhaltigkeit wird zunehmend Reiseentscheidungen beeinflussen. Wer sich hier frühzeitig positioniert, hat gute Chancen. Die Uckermark hat ja in diesem Jahr als erste Region Deutschlands den Bundeswettbewerb für nachhaltige Tourismusregionen gewonnen. Das ist ein tolles Signal. Auf das ganze Land bezogen ist da aber noch sehr viel Platz für weitere Angebote. Dies gilt auch für die Frage der Mobilität, gerade im ländlichen Raum. Hier sind gute Ideen gefragt. Eine große Rolle wird auch künftig der demografische Wandel spielen. Unternehmer, die hier ansetzen und zum Beispiel gute generationsübergreifende touristische Angebote entwickeln, stoßen in eine Marktlücke vor. Ein weiteres Stichwort ist Innovation. Wenn man sich die Tourismuspreisträger Brandenburgs der vergangenen Jahre ansieht, sind nicht nur alle immer noch am Markt, sondern sie sind auch erfolgreich. Für gute Ideen und Innovationen ist also immer ein Platz am Markt. Und noch immer besteht Bedarf beim Angebot von Ferienhäusern und Ferienwohnungen.

Welche Qualifikationen sollten Neugründer mitbringen, ehe sie sich in das Abenteuer einer eigenen Firma stürzen?
Die Anforderungen für professionelle Tourismusbetriebe werden allgemein leider häufig unterschätzt. Nicht umsonst gibt es eine Vielzahl von Ausbildungsberufen und auch Studiengängen, die hier eine Rolle spiele. Die Anforderungen sind breit gefächert. Das beginnt mit einer unbedingt notwendigen kaufmännischen Kompetenz. Aber auch das Verständnis für Qualitätsprozesse und die Serviceorientierung gehören dazu. Und natürlich muss man Freude am Umgang mit Menschen haben. Wer sich lieber in sein Kämmerlein einschließt und nicht gerne kommuniziert, der ist hier eindeutig fehl am Platz.

In Vollzeitstellen umgerechnet gibt es etwa 115.000 Brandenburger, die vom Tourismus leben. Wie hoch schätzen Sie das Potential insgesamt?
Es gibt noch Potenziale für ein Wachstum. Es wird darum gehen, weitere Märkte zu erschließen und insbesondere saisonunabhängiger zu werden. Im Sommer sind wir stark, aber in den Zwischenzeiten und insbesondere im Winter kann noch einiges passieren. Die ganzjährige Beschäftigung ist daher ein wichtiges Ziel. Allerdings muss man auch sagen, dass uns der Fachkräftemangel bereits jetzt Grenzen setzt. Es gibt bereits jetzt Anbieter die darüber klagen, dass sie einfach kein geschultes Personal finden können. Angestellte die bereits da sind, müssen gehalten werden. Das geht nur mit einer gerechten Entlohnung. Das betrifft den Unternehmer auf der einen Seite, der die Gehälter bezahlt. Das betrifft aber auch den Gast. Billig, billig kann daher nicht die Lösung sein. Wer Qualität will, der muss auch bereit sein, für die touristische Leistung so viel zu bezahlen, dass der Unternehmer in der Lage ist, sein Personal gut zu entlohnen.

Wie sollte sich Brandenburg in der neuen Marketingplanung der TMB ab 2017 darstellen?
Offensiv, emotional und authentisch. Dabei dürfen wir nie selbstzufrieden werden, sondern müssen uns immer überprüfen.

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