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Mit Interbrigadas e.V. nach Lateinamerika

Wandbilder, Radiosender oder Bildungskurse - der Solidaritätsverein ist seit 2006 aktiv

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Jonas Holldack ist an diesem Freitagvormittag im Oktober noch gar nicht richtig wach. »Noch lebe ich in einem anderen Zeitrhythmus«, meint der 25-jährige Student, der gerade von einem achtmonatigen Aufenthalt aus Venezuela zurück nach Berlin gekommen ist und wird nun hier wieder an der Freien Universität sein Studium der Lateinamerikanistik und der spanischen Philologie fortsetzen. Beim Kaffee wird er munter und beginnt zu erzählen. Er habe auch dort studiert und die Sommerbrigade des Vereins Interbrigadas e.V. in das Land vorbereitet.

»Angefangen hat alles 2005 in einem Berliner Gymnasium in Weißensee«, berichtet Felix Wiesner, ebenfalls Student an der FU. Sie werden auf die Umbruchprozesse in Venezuela aufmerksam. Mitschüler fahren in den Sommerferien 2006 in das Land und kommen begeistert wieder. Nicht nur, daß sie damit ihre Mitschüler ansteckten, noch mitten im Abitur gründen sie den Verein Interbrigadas. Starke Unterstützung fanden die Jugendlichen bei ihren Eltern und Großeltern. 2007 ist die 1. internationale Brigade mit 14 Leuten unterwegs nach Venezuela. Bis heute gab es 12 Brigaden mit über 200 Teilnehmern aus Nordamerika, europäischen und lateinamerikanischen Staaten vor allem nach Venezuela und Bolivien.

Der Name weckt Erinnerungen an die Interbrigaden im Spanischen Bürgerkrieg. »Das ist gewollt. Wir wollen die Kultur der internationalen Solidarität wieder aufgreifen - aber nicht mit dem Gewehr, sondern auf der kulturellen und vor allem der politischen Ebene«, meint Felix. In der besetzten Autoglasfabrik Vivex zum Beispiel lernten die Arbeiter von ihnen eine Zeitung herauszugeben, gemeinsam mit Gemeinderäten zu handeln oder wie man sich politisch organisiert. Zwei Arbeiter der Autoglasfabrik kamen zu einer Bildungsreise nach Deutschland, berichteten über ihren Arbeitskampf, tauschten sich mit Gewerkschaften aus. Die ländliche Gemeinde El Sillar brauchte als Kommunikationsmittel ein kommunales Radio. Während Vereinsmitglieder in Deutschland Anträge auf finanzielle Unterstützung stellten, auf Veranstaltungen ihre T-Shirts verkauften und somit die Technik kaufen konnten, fanden die Brigadeteilnehmer engagierte Techniker vor Ort. Das zweite große Projekt war dann ein Jahr später ein Filmstudio an der 1. indigenen Universität in Bolivien in El Alto.

»Auch das gehört zu unserer Arbeit - in Deutschland zu informieren und aufzuklären über die Prozesse in Lateinamerika«, erzählt Felix. Schulen sind an den jungen Referenten interessiert, aber auch Jugendeinrichtungen. Sie sind aktiv in der Hellen Panke, arbeiten eng mit anderen Solidaritätsgruppen mit Lateinamerika und Kuba zusammen. Von ihnen eingeladene Künstler aus Südamerika haben mit ihren Wandbildern farbige Spuren an vielen Orten hinterlassen, u.a. im Café Südblock am Kottbuser Tor. Unter dem Motto »Aufstand der Farben« kamen sie 2009 und 2012 nach Berlin.

Auch wenn der Verein relativ klein ist - so etwa 30 Mitglieder sind in Berlin und im zweiten Standort Jena aktiv - ist der Kreis der Unterstützer und Mitarbeitenden wesentlich größer. Ohne sie hätten auch nicht die beiden großen Brigaden nach Bolivien realisiert werden können.

»Diese Brigadefahrten sind nie einseitig, sie helfen auch immer der eigenen politischen Entwicklung«, meint Jonas. Mit vielen Mitstreitern möchte er im Herbst nächsten Jahres eine internationalistische Solidaritätskonferenz organisieren. Dabei möchte man auch die Erfahrungen Lateinamerikas für alternative ökonomische Modelle der Öffentlichkeit vorstellen. »Die wirtschaftlichen und politischen Prozesse dort, haben uns gezeigt, dass gesellschaftlicher Umbruch möglich ist und das gibt uns Hoffnung«.

In Berlin trifft sich der Verein immer donnerstags ab 19 Uhr. Über neue Gesichter freuen sich die engagierten Studenten und jungen Berufstätigen jederzeit. Auf der Internetseite www.interbrigadas.org ist mehr zu erfahren.

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