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Das Glück liegt auf der Scheibe

Mit Darts-Spitzenspieler Tim Oliver Jahr, der weiter vom 9-Darter träumt, sprach René Gralla

Das Bierglas in der einen Hand und der Wurfpfeil in der anderen - das ist das gängige Klischee von Darts-Spielern. Andernorts aber gilt die Kunst, seine Darts auf einer Scheibe zielgenau zu platzieren, schon lange als ernst zu nehmender Sport. Regelmäßige Übertragungen auf deutschen TV-Kanälen sorgen nun auch hierzulande für steigendes Interesse an dem englischen Präzisionssport. Einer der besten Spieler in Norddeutschland ist Tim Oliver Jahr aus dem schleswig-holsteinischen Sparrieshoop. Der 36-jährige Kraftfahrer startet an diesem Wochenende bei der »Waterkant Trophy 2013« in Hamburg-Wilhelmsburg.

nd: Die Waterkant Trophy wird, wie wir hören, nicht in einer zünftigen Trinkhalle ausgetragen, sondern in einer schnöden Sporthalle. Wir sind etwas enttäuscht!
Jahr: Wir wollen eben grundsätzlich wegkommen vom Vorurteil, dass Darts ein Kneipensport sei.

Obwohl oft noch immer mit »Darts, Beers and Cheers« für das Spiel geworben wird?
OK, aber der Sport selber soll Sport sein und kein Trinkgelage.

Der Engländer Phil Taylor, der beste Darter bisher, macht kein Hehl daraus, dass seine Karriere einst in den Pubs von Stoke-on-Trent begonnen hat. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor?
Sicher, auch ich habe mal in einem Krug um die Ecke angefangen, vor ungefähr 20 Jahren. Erst gab's ein paar Bier, und dann haben wir mit den Jungs ein bisschen gedartet. Doch irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich gemerkt habe: Du kannst es besser als die anderen.

Mit möglichst wenigen Pfeilwürfen und gleichzeitig entsprechend hoch bewerteten Treffern muss man eine Anfangsvorgabe von 501 Punkten runter auf Null bringen. Wie schaffen Sie das?
Der Laie wirft halt und trifft die Scheibe irgendwo oder auch gar nicht. Wichtig ist natürlich ein gutes Auge, entsprechend müssen Sie Ihre jeweiligen Wurfbewegungen einstellen. Außerdem brauchen Sie ein Gefühl für die Flugbahnen der Darts. Alles muss zusammenpassen.

Haben Sie dafür einen speziellen Trick? Schließlich beträgt der Abstand zwischen Wurflinie und Scheibe stolze 2,37 Meter, nämlich sieben Fuß und neuneinviertel Zoll, nach den traditionellen Maßeinheiten.
Alles reines Training, wie bei Tennis oder Fußball.

Wie oft üben Sie?
Drei- oder viermal die Woche, das Minimum sind dabei zwei Stunden.

Benutzen Sie dafür ein Dartboard mit elektronischer Anzeige?
Nein. Denn an solchen Geräten, die Sie in Kneipen finden, können Sie nur leichte Pfeile mit Spitzen aus Kunststoff benutzen. Während bei Wettkämpfen die gut doppel so schweren Steeldarts verwendet werden, die Spitzen aus Metall haben. Das ist die Sportversion, und die Ergebnisse werden nicht elektronisch angezeigt. Vielmehr braucht man einen Schreiber, der daneben steht und fleißig mitrechnet, welche Restsumme bis null verbleibt.

So wird im Dartsport der klassische Stil gepflegt - indem nicht alles digitalisiert wird!
Und das ist doch genau das, was echten Sport ausmacht.

Demnach müssen Sie sicher auch gut rechnen können, um die Zahlen des Schreibers gegenzuchecken. Kommen Sie da immer so schnell mit?
Auf jeden Fall! Und ich bin, was Rechnen angeht, inzwischen deutlich fixer geworden, seitdem ich Darts spiele.

Was ist für Sie der besondere Kick am Darts?
Mich weiter zu entwickeln, gegen Bessere zu bestehen. Ich möchte das Maximale aus mir rausholen.

Im Vereinigten Königreich ist Darts ein Profisport mit eigenen Stars wie dem bereits erwähnten Phil Taylor. Ist »The Power«, wie ihn die Fans nennen, für Sie ein Vorbild?
Klar, man träumt schon davon, aber das wäre noch ein ziemliches Stück Arbeit. Von uns Deutschen haben bisher nur vier oder fünf das Zeug, um in Turnieren mitzuhalten, die von der PDC organisiert werden, was die Abkürzung ist für die »Professional Darts Corporation«.

Bei solchen Wettkämpfen herrscht oft richtige Karnevalsstimmung, wie die Livesendungen im Fernsehen zeigen.
Und das macht natürlich den großen Reiz aus. Die Spieler der »Professional Darts Corporation« sind Idole auf der Insel.

Immerhin sind auch Sie zum Sportler des Jahres 2013 im Landesdartverband von Hamburg gewählt worden.
Mit meiner Mannschaft habe ich abgeräumt, was es zu gewinnen gab: die Meisterschaft, den Pokal und die Liga für Miniteams, in denen nur zwei statt acht Aktive antreten.

Darts-Held Phil Taylor hat vor zwei Monaten seinen 53. Geburtstag gefeiert. Muss der Mann allmählich ans Aufhören denken?

Nein. Darts kann man bis ins hohe Alter spielen. Kürzlich habe ich auf einem Turnier einen 85-Jährigen getroffen, der noch gut dabei ist.

Was wäre für Sie das größte Glück an der Scheibe?

Der 9-Darter. Das ist das perfekte Spiel - indem man die 501 Punkte mit neun Würfen auf Null bringt.

Haben Sie so eine Serie schon geschafft?

Nein. Meine bisher beste Leistung sind elf Darts.

Darts-Turnier an diesem Wochenende: »Waterkant Trophy 2013« am 19. und 20. Oktober in Hamburg-Wilhelmsburg, Sporthalle Krieterstraße 5, Beginn 10 Uhr; weitere Infos: www.dvbb.de

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