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Kohlelobby mit Gegenwind

Bündnis lädt zum Aktionstag gegen Weltkohlekonferenz am Montag nach Berlin

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Drei Wochen vor dem 19. Weltklimagipfel tagen Kohlebefürworter aus aller Welt ab Sonntag in Berlin. Die Gegner sind vorbereitet.

Die Kohlelobby feiert in Berlin Oktoberfest: Am Sonntagabend treffen sich Vertreter internationaler Energieunternehmen zu Brezel, Bier und Wurst im Hotel Estrel, um sich vom Sightseeing zu erholen - tagsüber steht die Besichtigung von Brandenburger Tor und Fernsehturm an und dem, was von der East Side Gallery noch übrig geblieben ist. So sieht der Auftakt der 33. Coaltrans-Weltkohlekonferenz aus. Montag und Dienstag wird dann richtig getagt. Auf dem Programm steht die Bedeutung der Kohleverstromung insbesondere für die Stahlindustrie, die Zukunft der US-Kohleexporte und der fossile Energiesektor in afrikanischen Staaten wie Tansania. Eine bunte Mischung also.

Tagt die Kohlelobby schon einmal in Berlin, macht sie das aber nicht ohne Gegenwind: Ein Anti-Coaltrans-Bündnis, zu dem das klimapolitische Netzwerk Gegenstrom Berlin und die Klimaschutzorganisation 350.org gehören, hat für dieses Wochenende ins New Yorck im Betanien in Berlin-Kreuzberg geladen, um sich mit Workshops zu kreativem Protest auf den Aktionstag am Montag vorzubereiten. »Konzernbosse wollen auf der Coaltrans neue Deals für ihre dreckige Energie abschließen und somit Kohle als Energieträger weiter legitimieren«, heißt es in der Ankündigung. Ab 17 Uhr soll das Konferenzgebäude in Berlin-Neukölln belagert werden. »So zeigen wir der Kohlelobby, dass unser Klima, Natur und Umwelt nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen.«

In Deutschland spielt die Kohlekraft im Zuge des Atomausstiegs trotz der Energiewende weiterhin eine große Rolle. Mit Hilfe der von Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen kritisierten Technologie zur Abscheidung und Ablagerung von Kohlendioxid (CCS) sollen Kohlekraftwerke klimaverträglich nachgerüstet und neu gebaut werden, um so die Versorgung mit billiger aber dreckiger Kohle langfristig zu sichern. Kritiker verweisen auf ungeklärte Gefahren von CCS und sehen darin keine zukunftsweisende Technologie.

Darüber hinaus werden durch den Abbau des Rohstoffes durch die Energiekonzerne Vattenfall, RWE und Co. insbesondere in den Braunkohlegebieten in der Lausitz (Brandenburg) und im Rheinland (Nordrhein-Westfalen) Tausende aus ihren Dörfern vertrieben, das Wasser verseucht und Landschaften zerstört. Ein Teil der in Deutschland verstromten Kohle kommt aus Ländern wie Südafrika oder Kolumbien. Die dortigen Arbeitsbedingungen in den Abbaugebieten sind schlecht, und von den Vorzügen der Kohlekraft kann die lokale Bevölkerung nicht profitieren, da der Rohstoff lediglich für den Export bestimmt ist.

Letztlich sorgt das Festhalten an der Kohlekraft in Deutschland dafür, dass die Energiewende langsamer voranschreitet. Die Gelder, die in den Bau von Kraftwerken und in die weitere Erforschung der CCS-Technologie gesteckt werden, fehlen beim Umbau zu einer Energieversorgung aus 100 Prozent Erneuerbaren.

Für Kohlelobby und Anti-Kohle-Bewegung ist die Coaltrans auch ein Warmlaufen für November: Zwei Wochen früher als sonst reist die internationale Klimadiplomatie von Regierungs- über Wirtschafts- bis zu NGO-Vertretern vom 11. bis 22. November zum Gipfeltreffen. Iin Polens Hauptstadt Warschau will sie wie jedes Jahr zumindest den Anschein zu geben, weiterhin an einer globalen Klimapolitik zu arbeiten, die den Kohlendioxidausstoß langfristig reduziert.

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