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Trend zu Betongold hält an

Felix Syrovatka zur Lage der europäischen Wohnungsmärkte

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Felix Syrovatka (25) studiert derzeit in Berlin Politikwissenschaft und arbeitete zuvor bereits in der aus Studierenden wie Lehrenden bestehenden Forschungsgruppe Europäische Integration an der Universität Marburg mit. Zu dem Thema publiziert er regelmäßig. Mit ihm sprach für »nd« Ralf Hutter.

nd: Sie unterscheiden zwischen Wohnungsmärkten, in denen Wohneigentum dominiert, solchen, in denen Mietwohnungen die Regel sind, und Mischmärkten. Welche Spezifika haben Mischmärkte und in welchen Ländern gibt es sie?
Syrovatka: Mischmärkte gibt es hauptsächlich in den Staaten des ehemaligen Ostblocks. Der Umbruch, den wir heute auch in Deutschland sehen, fand da viel früher statt. Ab 1990 gab es dort eine starke Privatisierung der Wohnungsmärkte. Der Markt bricht um in einen Eigentumsmarkt: Die ehemaligen Mietwohnungen werden zu Eigentumswohnungen. Die Leute verschulden sich für ihr Eigenheim. Spezifika von Mischmärkten sind zum einen die beginnende Verschuldung der Haushalte - die nicht so stark ist, wie auf den Eigentumsmärkten etwa in Südeuropa - und zum anderen ein geringer sozialer Wohnungsbau und entsprechender Bestand, was es in Südeuropa eigentlich gar nicht gibt.

Das heißt, es gibt einen Zusammenhang zwischen sozialem Wohnungsbau und der Art von Markt?
Das würde ich so sehen. Wo Wohneigentum vorherrscht, gibt es keine Tradition, Sozialwohnungen zu bauen. Wo es einen großen Mietbestand gibt, gibt es oft auch sozialen Wohnungsbau. Die Mischmärkte sind sozusagen dazwischen. Sie sind jetzt im Umbruch. Gerade die ehemaligen Blockstaaten im Osten zeigen das. Da wurden nach der Wende die privaten Investoren auf die Wohnungsmärkte gelockt. Aber ich sehe auch eine europaweite Tendenz zu Eigentumsmärkten, denn der soziale Wohnungsbau wird abgeschafft, oder immer mehr zurückgefahren.

In Europa gibt es also Eigentumsmärkte in Mittelmeerländern, Mietmärkte von Österreich nordwärts und Mischmärkte im Osten?
Das könnte man grob so sagen. Aber es gibt immer regionale Ausnahmen.

Hat die aktuelle EU-Krisenpolitik auch wohnungspolitische Maßnahmen vorgesehen?
Nein. Es gibt aber indirekte Folgen. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat in den nördlichen Ländern mit ihren Mietmärkten dazu geführt, dass Wohnungen in Städten besonders attraktive Anlagen wurden, Betongold. So stiegen die Immobilienpreise. Es lässt sich nun sehen, dass auch der deutsche Mittelstand in Wohnungen investiert, zum Teil mit Krediten, und dann auf steigende Mieten, das heißt auf eine größere Rendite spekuliert.

Was sind die Auswirkungen auf die anderen Wohnungsmärkte?
Die Spar- und Kürzungspolitik der Troika hat zu hoher Arbeitslosigkeit geführt. Da sich die Leute verschuldet hatten, um sich ihre Wohnungen zu kaufen, und sie nun die Hypothek nicht mehr bezahlen können, werden sie geräumt. Spanien ist ein gutes Beispiel. Da wurden Kredite fast ohne Sicherheiten vergeben.

Gleichzeitig führt die Austeritätspolitik über die Verschärfung des Stabilitäts- und Wachstumspakts dazu, dass die Regionen und Länder nicht mehr selbst entscheiden können, wofür sie ihr Geld ausgeben. Die spanische Region Andalusien etwa wollte Zwangsräumungen per Dekret verbieten, wenn das Risiko sozialer Ausgrenzung oder eine Bedrohung für die Gesundheit bestehe. Es sah vor, die Eigentümer im Zweifel temporär zu enteignen. Daraufhin sagte die EU-Kommission: Der Immobilienmarkt erholt sich so nicht, weil das den Hunger der Investoren mindert. Das Dekret wurde vom spanischen Verfassungsgericht aufgrund einer Klage der Zentralregierung ausgesetzt.

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