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50 Jahre Briketts aus Schwarze Pumpe

Fabrik presst heute noch 686 000 Tonnen Braunkohle pro Jahr

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Das DDR-Gaskombinat Schwarze Pumpe wurde aufgelöst. Doch noch immer werden Briketts an dem Traditionsstandort gepresst - seit nunmehr fünf Jahrzehnten. Eine Feier erinnert in dieser Woche daran.

In Schwarze Pumpe werden immer noch Briketts aus Braunkohle gepresst. Drei Fabriken produzierten hier bis zur Auflösung des Gaskombinats 1990 jährlich zehn Millionen Tonnen Briketts. Seit dem Abriss von zwei Anlagen liefert der Energiekonzern Vattenfall nur noch aus der 1963 erbauten Brikettfabrik Mitte pro Jahr rund zwei Millionen Tonnen Trockenkohle, darunter Briketts sowie Kohlestaub für Kraftwerke und die Industrie. Das 50-jährige Jubiläum der Fabrik soll am Freitag gefeiert werden.

An dem Standort wurden 2012 nach Angaben des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins 686 000 Tonnen Briketts gepresst. Zum Vergleich: Die Anlagen im Rheinland produzierten im selben Jahr 1,2 Millionen Tonnen und die zweite ostdeutsche Brikettfabrik im sachsen-anhaltischen Deuben 56 000 Tonnen.

»Zu DDR-Zeiten wurde mit den Briketts im Kombinat Schwarze Pumpe Koks und Stadtgas erzeugt, außerdem waren sie begehrt als Hausbrand für die Bevölkerung«, sagt der Leiter der Brikettfabrik Mitte, Gerd Sieling. Der Grund: »Briketts waren neben Stadtgas der wichtigste Brennstoff. Denn die Strategie der DDR-Führung zielte darauf ab, sich angesichts knapper Devisen von Rohstoffimporten aus dem Westen unabhängig zu machen.«

Die Braunkohle kam damals aus den Tagebauen Welzow-Süd, Nochten, Spreetal, Scheibe und Burghammer. Der Rohstoff wurde neben den drei Brikettfabriken im Gaswerk, in drei Kraftwerken und in einer Kokerei verarbeitet. Rund 15 000 Menschen waren im Gaskombinat beschäftigt, davon etwa ein Fünftel in der Brikettproduktion. Jetzt stellen noch rund 230 Vattenfall-Beschäftigte die Trockenkohle her. Im 800 Hektar großen Industriepark Schwarze Pumpe sind etwa 100 Firmen mit 4400 Mitarbeitern tätig. Viele Unternehmen siedelten sich an, zum Beispiel eine Papierfabrik.

Sieling kann sich gut an die Umweltfolgen der damals einseitigen Ausrichtung des Kombinates auf Kohle erinnern: »In den drei Brikettfabriken gab es zwar schon Entstaubungsanlagen. Aber die Technik veraltete immer mehr, und wegen der Dauerbelastung waren die Emissionen von Staub, Abgasen und Lärm sehr hoch.«

Das Gaskombinat galt neben der Großkokerei in Lauchhammer als größte Dreckschleuder der DDR. Sieling weiß noch: »Die Windrichtung war entscheidend für das Wohlbefinden der Anwohner.« Mit dem Abriss fast aller Altanlagen auf dem Industriegelände verringerte sich die Umweltbelastung, es gingen jedoch auch Jobs verloren. Der Dampf für die Brikettpressen kommt seit 1998 vom Kraftwerk Schwarze Pumpe, dessen Grundstein vor 20 Jahren gelegt wurde. Die in den 1990er Jahren mit Millionensummen modernisierte Brikettfabrik Mitte verzeichnet derzeit einen stabilen Absatz von Briketts der Marke »Rekord«. »Etwa 50 Prozent der Produktion liefern wir verpackt an Baumärkte und Discounter. Ein Teil geht in loser Form an ländliche Haushalte und der Rest in den Export«, berichtet Sieling. Die Fabrik versorgt zudem das Cottbuser Heizkraftwerk mit grobkörniger Wirbelschichtkohle.

Vattenfall will in Schwarze Pumpe den Anteil der Produktion von fein gemahlenem Braunkohlenstaub erhöhen, der in die Kessel geblasen und verbrannt wird. Sieling sieht darin einen Zukunftsmarkt: »Dieser Heizbrennstoff spielt im Zuge der Modernisierung von Kraftwerken, aber auch von Papierfabriken, Zementwerken, Stahlwerken und Asphaltmischwerken eine immer größere Rolle.« dpa

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