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Wenn der Bürgersteig vibriert

Im niedersächsischen Gasfördergebiet bebte erneut die Erde

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Ein Erdbeben der Stärke 1,9 ist im niedersächsischen Völkersen im Landkreis Verden registriert worden - und es war nicht das erste Mal. Als Ursache wird die Erdgasförderung in jener Region vermutet.

Wer am Freitagabend in Völkersen einen Abendspaziergang unternahm, spürte plötzlich etwas Unangenehmes: Der Bürgersteig vibrierte. Wieder einmal, so wusste man im Dorf, hat die Erde gebebt. Wie vor gut einem Jahr, als die Stärke 2,9 festgestellt worden war. Und wie schon 2008, 2010 und 2011 in der niedersächsischen Gemeinde Langwedel, zu der Völkersen gehört. In der Region ist man sich gewiss: Ursache war und ist die Erdgasgewinnung. Denn das Epizentrum des Bebens liegt im Bereich des nahen Erdgasfeldes.

Am Montag hatte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie das Ereignis vermeldet und zu den Beben der vergangenen Jahre erklärt: »Ein Zusammenhang mit der Erdgasförderung wird als sehr wahrscheinlich eingestuft.« Das meint auch Andreas Noltemeyer von der örtlichen Initiative »No Fracking«. Sie wendet sich gegen das umstrittene Verfahren, bei dem Wasser, Sand und giftige Chemikalien in Bohrungen gepresst werden, um Erdschichten über möglichen Gasfeldern aufzubrechen.

Im Raum Langwedel wird laut Angaben des Unternehmens RWE-Dea, das dort Gas fördert, seit 2011 nicht mehr gefrackt, sagte Noltemeyer im Gespräch mit »nd«. Doch ob Fracking oder nicht: Eine »exzessive Gasförderung«, wie sie auch bei Völkersen betrieben werde, berge nun mal die Gefahr von Erdbeben. Gleiche Probleme gebe es in den Niederlanden. Dort habe sich die Initiative über Folgen der Erdgasausbeutung informiert und erfahren: Immer wieder gibt es im Umfeld der Gasfördergebiete Beben, die im Laufe der Zeit häufiger und stärker werden.

»Neue Erdgasförderungen dürfen nicht genehmigt werden«, fordert Noltemeyer, und mittelfristig solle ganz aus dieser Gasgewinnung ausgestiegen werden. Sie bringe nämlich neben Beben weitere Gefahren mit sich, etwa das Problem des Lagerstättenwassers, das beim Fördern an die Oberfläche gelangt. Es kann Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und auch radioaktive Substanzen enthalten. Auf dem Weg zur Entsorgung wird dieses Wasser über zumeist lange Rohrstrecken geleitet. Gibt es ein Leck, wie es schon mancherorts geschah, drohen erhebliche Umweltschäden. Auch die RWE hat das jüngste Beben registriert, bestätigte Unternehmenssprecher Derek Mösche. Denn: Vor Ort seien Messgeräte installiert worden, um jegliche Erdbewegung zu dokumentieren. Das Unternehmen gehe davon aus, dass die Erdgasgewinnung auch künftig sicher betrieben wird.

Nach Ansicht von Experten sei auch in Zukunft keine Gefährdung der Bürger im Gasfördergebiet Langwedel zu erwarten, hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) im Sommer berichtet, als die Untersuchungen zum Beben von 2012 abgeschlossen waren. Dennoch sei die Sache »sehr ernst« zu nehmen. »Für uns gibt es derzeit keine begründeten Zweifel mehr an einem Zusammenhang zwischen Erdgasförderung und der Möglichkeit seismischer Ereignisse«, stellte Lies seinerzeit fest. Ziel müsse es sein, dass sich die Gasproduzenten bereit erklären, mögliche Bebenschäden unbürokratisch und schnell zu regulieren.

Das aber sei bislang nicht geschehen, sagt Erdgas-Kritiker Andreas Noltemeyer. Noch immer sei ein Gutachter damit beschäftigt, Gebäudeschäden zu untersuchen, die nach dem Erdbeben vor einem Jahr gemeldet wurden. Rund 100 Häuser seien betroffen. »Doch nach wie vor«, so Noltemeyer, »wird in punkto Entschädigung rumgeeiert«.

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Das Blättchen Heft 19/18