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Esn Zwangsarbeiter müssen warten

Stadtverwaltung verschleppt seit Jahren Entscheidung über Entschädigung

Von Jochen Bülow

Mindestens 400 Kölner Firmen nutzten die Gelegenheit, fast kostenlos Sklavenarbeiter auszubeuten. Die Fakten sind schon seit vielen Jahren bekannt, trotzdem ist bisher wenig passiert.

Die Grünen hatten die Stadtverwaltung schon 1986 aufgefordert, die Möglichkeiten einer kommunalen Entschädigung zu prüfen. Dafür habe die Kommune keine Kompetenz, beschied die Verwaltung. Sie entwickelte in der Folgezeit aber ein Besuchsprogramm mit, das ehemaligen Kölner Zwangsarbeitern die Gelegenheit einer Visite am Rhein bot. Jahrelang besuchten danach Menschen aus der ganzen Welt die Stätte ihres langen Leidens. Sie hielten die Idee des Besuchsprogramms oft sogar für fruchtbarer, als »ein paar Mark rüberzuschieben«. Ein mit dem Programm verbundener Jugendwettbewerb und die damit möglichen Kontakte junger Menschen, die das III. Reich nicht mehr erleben mussten, stieß ebenfalls auf große Zustimmung.

Aber erst Ende des vergangenen Jahres kam auch bundesweit wieder Bewegung in die Angelegenheit. In Köln brachte neben anderen die PDS einen fraktionsüber greifenden Appell an die Kölner Unter nehmen ein, sich am Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft zu beteiligen. Im Anschluss an einen Gedenkgang am 27 Januar sollen die Antwortschreiben der Firmen veröffentlicht werden. Schon Mitte Dezember wollte die PDS- Gruppe im Stadtrat von der Stadtverwaltung wissen, ob Köln einen eigenen Entschädigungsfonds wie in München auflegen will. Dies lehnte die Stadtverwaltung ab - genauso wie ein Anschreiben an die bisher bekannten Unternehmen, die Zwangsarbeiter beschäftigten. Mit dem windelweichen Hinweis, in »verschiedenen persönlichen Gesprächen eine Wiedergutmachung bei in Köln ansässigen Firmen zu thematisieren und zu fördern«, glaubte die Verwaltung die jahrelange Verschleppung kaschieren zu können.

Das hat jetzt offenbar sogar die SPD auf den Plan gerufen und zu einem Antrag für die nächste Ratssitzung geführt. Danach sollen zumindest die stadtnahen oder im Eigentum der Stadt befindlichen Unter nehmen in den Entschädigungsfonds einzahlen. Denn bisher haben sich die Kölner eher hinter den ungeklärten Fragen in Sachen Entschädigungsregelung versteckt und eigene Initiativen vermieden. Die Industrie- und Handelskammer Köln hat es

obwohl sie sich sonst gern zu fast allem und jedem äußert - auf nicht eine einzige Pressemitteilung bezüglich der Verantwortung Kölner Unternehmen gebracht: »Nachdem in der Frage der Entschädigung endlich eine Einigung erzielt wurde, sieht Herr Garnatz keinen Anlass mehr für weitere Äußerungen in dieser Sache«, beschied die Interessenvertretung der Kölner Wirtschaft Interview-Wünsche mit ihrem Geschäftsführer Eberhard Garnatz.

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