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entschuldet

US-Automobilfirmen hoffen auf ein Schnäppchen Von Wolfgang Pomrehn

Entgegen dem Rat des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat Südkoreas Regierung den Daewoo- Gläubigern zugesichert, Seoul werde 40 Prozent der Auslandsverpflichtungen des angeschlagenen Konglomerats über nehmen. Die restlichen 60 Prozent der 4,84 Milliarden US-Dollar, die rund 200 ausländische Banken ohne ausreichende Sicherheitsprüfung gewährt hatten, müssen diese als Verlust abschreiben. Die tatsächlichen Raten variieren allerdings von Tochterunternehmen zu Tochterunter nehmen stark. Nun müssen die betroffenen Banken noch selbst der Vereinbarung zustimmen, die ein neunköpfiges Vertretergremium für sie jetzt unterzeichnet hat. Daewoos breite Produktpalette - der Konzern stellt unter anderem Autos, Schiffe und Elektronikprodukte her - ist für das ostasiatische Land nicht ungewöhnlich. Chaebols nennt man die lange Zeit wirtschaftlich übermächtigen Konglomerate, um deren Entflechtung sich die Regierung Kim Dae-jung seit zwei Jahren mit mäßigem Erfolg bemüht. In ihren kaum überschaubaren Reichen haben die meist von Familien-Patriarchen geführten Wirtschaftsriesen auch unprofitable Unternehmensteile mit durchgeschleppt. Unter anderem dadurch, aber auch durch die Kosten der raschen Industrialisierung, hatten sie bis 1997 eine mittlere Verschuldungsrate von 400 Prozent angehäuft. Daewoo, der zweitgrößte Chaebol des Landes, musste sich im August für zahlungsunfähig erklären, was kurzzeitig Schockwellen durch Seouls Börse jagte. Insgesamt hat der Konzern Verbindlichkeiten in Höhe von 78,9 Milliarden US- Dollar, denen Werte von weniger als 60 Milliarden Dollar gegenüberstehen.

Zunächst hatte die Regierung in Seoul verkündet, dass Daewoos Auslandsschulden »nicht zu ihren Prioritäten« gehören. Bei den ausländischen Gläubigerbanken hatte das zu einem Aufschrei geführt. Mehrere Regierungen, darunter auch die Washingtoner, intervenierten, um von Kim Dae-jungs Kabinett eine Gleichbehandlung ihrer Banken mit den inländischen Gläubigern zu verlangen. Tatsächlich müssen diese sich mit einigen Prozentpunkten weniger zufrieden geben. Koreanische Zeitungen befürchten denn auch, dass die Übereinkunft noch auf einigen Protest stoßen wird.

Widerstand könnte es auch von Seiten der Gewerkschaften geben. Die Auszahlung der internationalen Banken macht nämlich den Weg frei für den Verkauf profitabler Unternehmensteile; bislang hielten sich Investoren angesichts möglicher Forderungen von Gläubigern zurück. Einer der ersten Verkaufskandidaten ist der Autohersteller Daewoo-Motor. General Motors und Ford, die einen Zugang zum weitgehend abgeschotteten Automarkt auf der Halbinsel wittern, stehen bereits in den Startlöchern. Die Gewerkschaften haben sich bisher vehement gegen den Ver kauf koreanischer Unternehmen an ausländische Konzerne gewehrt. Sie befürchten neuerliche Entlassungen.

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