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Klare Siege für Bush und Gore in Iowa

Kaum Interesse der Öffentlichkeit an Wahlkampf USA-Vorwahlen Von Max Böhnel, New York

Als klare Sieger gingen in der Nacht zum Dienstag im Bundesstaat Iowa die «front runner» aus den so genannten «caucus»-Wahlen für die IMominierung der Präsidentschaftskandidaten hervor. Registrierte Mitglieder der Republikaner und der Demokraten aus dem Staat im Mittleren Westen stimmten in 2143 örtlichen Parteiversammlungen mit 41 Prozent für den texanischen Gouverneur George W. Bush und für Vizepräsident AI Gore, der 63 Prozent erhielt.

Überraschend weit rückte der Multimillionär Steve Forbes mit 30 Prozent der Republikaner Stimmen an Bush heran. Der Demokrat Bill Bradley, Ex Senator aus New Jersey, blieb mit 35 Prozent weiterhin hinter Gore im Rennen.

Nur Augenblicke nach der Stimmenauszählung in Iowa eilten die Kandidaten an die Ostküste in den Bundesstaat New Hampshire, um dort ihre Wähler für die «primaries», die Vorwahlen, nächsten Montag zu begeistern. Wie in jedem Wahljahr standen die Iowa-Wahlen tagelang im Zentrum der Berichterstattung der USA-Medien. Die Kandidaten hatten Millionen Dollars für Wahlwerbung ausgegeben. «Caucus»-Wahlen wie die in Iowa waren als Bürgerbeteiligung für den Nominierungsprozess der Präsidentschaftskandidaten gedacht und ur sprünglich eine Reaktion auf die demokratische Protestbewegung Ende der 60er Jahre. Doch Iowa ist nicht repräsentativ für den Wählerdurchschnitt. Der Bundesstaat ist mit über 95 Prozent von Amerikanern europäischer Herkunft, «Weißen», bewohnt. Darüber hinaus ist hier die christlich-religiöse, konservative Rechte stärker als anderswo. So bemühten die Kandidaten bei ihren Auftritten wieder holt christliche Symbolik. Die rechten Republikaner Steve Forbes, Alan Keyes und Gary Bauer, die ihrem Parteikollegen Bush eine «weiche Haltung» in der Abtreibungsfrage vorhielten, kamen deshalb zusammengenommen sogar auf mehr Stimmen als Bush.

Zudem lässt das geringe Wählerinteresse kaum den Schluss zu, es ginge um die Wahl zwischen echten Alternativen. Gemessen am riesigen Medienecho, das Iowa hervorrief, entsteht allenfalls der Eindruck eines virtuellen Politzirkus. So blieb die Wahlbeteiligung in beiden Parteien unter 15 Prozent. Aber CNN entsandte beispielsweise 200 Journalisten nach Iowa, und die Parteiversammlungen waren auf mindestens 12 Webseiten im Internet mitzuverfolgen, teilweise live.

Nach Iowa allgemeine Schlüsse auf das Wählerverhalten zu ziehen, gehört traditionell ebenso zur amerikanischen Politfolklore wie das opportunistische Bemühen der aussichtsreichen Kandidaten, sich nur durch die Imagebildung voneinander abzugrenzen. Die Wählerschaft, deren Gunst sie erheischen, liegt in der diffusen «politischen Mitte». Deshalb beziehen, die Kandidaten nur ungern klare Positionen. Bei den Wählern seien «par teiübergreifende, ja post-politische Dimensionen» feststellbar, so kürzlich die «New York Times». Und Unterschiede zwischen den Kandidaten seien kaum auszumachen: «Sie alle sind für die Beibehaltung, wenn nicht Erhöhung der Militärausgaben. Sie sind gegen Steuererhöhungen. Sie wollen einen ausgeglichenen Haushalt. Sie befürworten Freihandel. Sie unterstützen die Todesstrafe».

Was sich wiederum als politische Apathie im gesamten Land ausdrückt. An den letzten Kongresswahlen beteiligten sich nur 36 Prozent der Wahlberechtigten. Zwei Umfragen zufolge finden 60 Prozent der Öffentlichkeit den derzeitigen Wahlkampf «langweilig». Nur 12 Prozent ver folgen ihn «aufmerksam» oder «ein wenig» mit. Dagegen finden angesichts des Wirtschaftsbooms die Bewegungen an der Wall Street ein umso größeres Interesse. In den USA gibt es weitaus mehr Kleinak tionäre als aktive Wähler.

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