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Ersatzwährung Namensaktie

Telekom stellte um / Datenschützer warnen vor gläsernem Börsianer Finanzmärkte

Von Hermannus Pfeiffer

Still und leise erobert ein neuer Wertpapiertyp die Börsen. Auf Namensaktien hat nun auch die Deutsche Telekom, d i e AG der Kleinaktionäre, umgestellt. Verbraucherschützer warnen.

Am Montag dieser Woche hat nun auch die Deutsche Telekom AG auf Namensaktien umgestellt. Laut Firmenangaben waren davon etwa 1,5 Millionen Depots mit bisher anonymen Inhaberaktien betroffen. Die vermutlichen Kosten von 20 Millionen Mark wollte eine Sprecher der Telekom nicht bestätigen.

Wie die Telekom-Aktion zeigt, wird am Finanzmarkt Deutschland umgedacht. Früher rümpften Börsianer beim Begriff Namensaktie nur die Nase. Inzwischen haben sie schon DaimlerChrysler, Lufthansa, Allianz, Siemens und die Deutsche Bank - die Umtauschaktionen blieben fast unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Schon in wenigen Jahren werden Namensaktien - also Anteilsscheine, die auf den Namen des Besitzers lauten - den Kurszettel dominieren, erwarten Fachleute. Andres als bei den in Deutschland (noch) üblichen Inhaberaktien muss der Käufer Namen, Adresse und Beruf preisgeben. Die Angaben werden in das Aktienbuch des Unternehmens eingetragen. Den Vorreitern dieser Wertpapierform geht es freilich vor allem ums Geld: »Wir können nun zügiger auf dem Kapitalmarkt agieren«, heißt es bei der Telekom. Der Hintergrund: Etwa in den USA sind Namensaktien Pflicht. Mit deutschen Namensaktien im Gepäck können hiesige Unternehmen ohne Umwege an die Bör senplätze dieser Welt marschieren, um dort frisches Kapital einzusammeln oder neue Fusionen zu finanzieren. Namensaktien gelten deshalb international als Er satzwährung.

Darüber hinaus setzt die Deutsche Telekom auf einen besseren Kontakt zu ihren Aktionären. »Wir können nun direkt mit ihnen Kontakt aufnehmen.« Bislang er reichte die Telekom diese nur indirekt über die Depotbanken.

Hinter vorgehaltener Hand taucht ein weiterer Grund auf: »Schutz vor feindlichen Übernahmen, da wir nun die Aktionäre kennen!«, erläutert ein Experte. Zu diesem Zweck dienten hier zu Lande bislang vor allem so genannte vinkulierte Namensaktien, deren Übertragung an die Zustimmung der Gesellschaft gebunden sind. Insbesondere die deutsche Versichererungswirtschaft schottete sich mit ihnen jahrzehntelang gegen missliebige (Großaktionäre ab. Weltmarktführer Münchner Rückversicherung etwa tut dies noch heute. Die Folge war allerdings eine unbefriedigende Kursentwicklung.

Und der Kleinaktionär? »Er erhält mehr und schnellere Informationen über sein Unternehmen«, wirbt das Deutsche Aktieninstitut. Dagegen sieht Volker Pietsch von der Verbraucherzentrale Berlin eher weiteren Aufklärungsbedarf auf seinen Verband zukommen. »Die neuen Namensaktien werden viele erst einmal ver unsichern«, sorgt sich der Verbraucher Schützer. Problematisch ist auch das Aktienbuch. Da dieses für die jeweiligen Ak tionäre öffentlich ist, steht es zum Schnüffeln bereit - für Adressenhändler, für Paparazzi bei ihrer Jagd nach Prominenten oder für den neugierigen Nachbarn. Auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Joachim Jacob, hält das Ak tienbuch für den neuralgischen Punkt. »Namensaktien könnten den gläsernen Aktionär schaffen, wenn es nicht zu einer Änderung des Aktiengesetzes kommt«, befürchtet er.

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