Werbung

Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

  • Politik
  • Ein Jahr Tschetschenien-Krieg

Gewöhnliches Grauen

Vor einem Jahr begann in den dagestanischen Bergen der zweite Tschetschenien- Krieg. Islamistische Gotteskrieger über schritten die Grenze zwischen Tschetschenien und Dagestan, besetzten einige Dörfer und proklamierten einen islamischen Staat. Ein Überfall wie auf Bestellung, denn er lieferte der russischen Ar meeführung den idealen Anlass, sich für die Niederlage im ersten Tschetschenien- Krieg zu rächen und die abtrünnige Republik zurückzuerobern.

Tschetschenien wargewiss alles andere als eine Idylle. Nach den Verwüstungen zwischen 1994 und 1996 litt die Republik unter Armut, Verbrechen und dem Streit ihrer Führer. Moskau aber, statt durch Erfüllung seiner Verpflichtungen aus dem Friedensabkommen um Vertrauen zu wer ben, überließ die Tschetschenen eben den islamistischen Gotteskriegern, die als Provokateure offenbar gebraucht wurden.

Ein Jahr später sind die «befreiten» Gebiete noch ärger verwüstet, Armut und Angst vor Verbrechen sind geblieben, und die inzwischen von Moskau ernannten tschetschenischen Führer streiten nicht minder. Was hat der Krieg gebracht?

2600 Tote in den eigenen Reihen geben die russischen Generäle zu, und 14 000 Rebellen wollen sie «ausgeschaltet» haben. Über tote Zivilisten hat scheinbar niemand Buch geführt, Flüchtlinge und Vertriebene sind kaum zählbar. Ein Ende des Grauens ist nicht abzusehen, aber die russische Gesellschaft - und nicht nur sie - scheint sich daran gewöhnt zu haben.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!