Peter Kirschey 25.04.2006 / Berlin / Brandenburg

Baseballkeule mit SS-Rune

Drei mutmaßliche rechtsextremistische Schläger müssen sich vor Gericht verantworten

Rechte Gewalt scheint immer stärker das öffentliche Bewusstsein zu bestimmen. Meldungen von rechtsextremen Exzessen in Berlin und Brandenburg sind zum Alltag geworden. So war auch der gestrige Prozessauftakt gegen drei mutmaßliche Schläger nur ein Glied in einer langen kriminellen Reihe. Nico, Michael und Mike sind drei stramme Berliner Jungs und in Gesellschaft Gleichgesinnter potenziert sich ihre Kraft. Mit goldfarbenen Kettchen am Bauchansatz, Ohrringen, Harley-Davidson-Weste und Basecap zeigten sie sich gestern vor dem Gerichtssaal, wohlgelaunt, immer bedacht, den Kameras den Rücken zuzuwenden. Im Saal war das schon anders, da gaben sie sich wortkarg und verweigerten zu den Anklagevorwürfen die Aussage. Die Staatsanwaltschaft spricht von gefährlicher Körperverletzung und dem Verwenden von Nazisymbolen. Drei Neonazis also im Alter zwischen 25 und 38 Jahren, drei rechte Schlägertypen, die ihre Gesinnung in freier Wildbahn mit Fäusten, Flaschen, Baseballschlägern mit eingravierter SS-Rune, Hitlergruß und Nazi-Symbolik zur Schau tragen. Die seit gestern vor der Strafkammer angeklagte Schlägerei liegt schon Jahre zurück und somit wird es schwer werden, die drei für ihre Taten angemessen zur Verantwortung zu ziehen. Solche Gewaltakte müssten unmittelbar nach dem Geschehen geahndet werden. Die Staatsanwaltschaft begründete die lange Zeit mit der Kompliziertheit der Ermittlungen. Der Tattag ist der 4. April 2003. Da hatte man sich in großer Neonazi-Runde von etwa 25 Personen versammelt, um das Baumblütenfest in Britz mal so richtig völkisch aufzumischen. Die Region im südlichen Neukölln gilt als Sammelpunkt für Rechtsextreme. Dort soff man in sich hinein, grölte harte Lieder der Terrorgruppe »Landser«, in denen unverblümt zum Mord an Vietnamesen aufgerufen wurde, warf mit Flaschen um sich, hetzte »anders Aussehende« über das Gelände, bis man schließlich einen Mann erwischte, der mit Keulenhieben und Fußtritten traktiert und dem eine Flasche über den Kopf geschlagen wurde. Als die Polizei eingriff, versuchten sie - allerdings vergeblich - einen bereits festgenommenen Schläger zu befreien. Einer der Täter soll später auch sein Wohnungsschild mit SS-Runen dekoriert haben. Das Opfer, ein Deutscher türkischer Abstammung, erlitt eine Kopfplatzwunde, eine Schädelprellung und hatte zeitweilig Sehstörung. Noch immer leidet er nach Angaben seinen Anwalts, an den Folgen der Attacke. Für das Opfer sei es nur schwer zu ertragen, dass die Täter noch immer auf freiem Fuß seien. Die Hiebe der Schläger hätten auch tödlich sein können. Die mutmaßlichen Täter schweigen und hoffen, dass man ihnen die Gewalt nach drei Jahren nicht mehr nachweisen kann. Auch die Anwälte der Angeklagten sagen zum Auftakt nichts, auch nicht den gängigen Spruch, dass sie ...

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