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Gewerkschaft will Situation im Gastgewerbe verbessern

Der neue NGG-Vorstand stellt sich und sein Programm für die nächsten Jahre vor / Schutz für Whistleblower gefordert

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Whistleblower sollen per Gesetz vor Repressalien geschützt werden, das Gastgewerbe mit seinen Niedriglöhnen soll bessere Standards bekommen, Minijobs gehören abgeschafft. Beim Gewerkschaftstag der NGG stellte der frisch gewählte Vorstand seine Schwerpunkte für die nächsten Jahre vor.

Berlin. Die Skandalmeldungen aus der Lebensmittelindustrie reißen nicht ab. In den letzten Monaten waren besonders aus den Schlachthöfen und Geflügelschlachtereien Horrormeldungen über Arbeitsbedingungen, Entgelthöhe und Unterbringung von bulgarischen und rumänischen Werkvertragsnehmern zu hören. Oft gehen die Informationen auf Whistleblower, betriebsinterne Informanten, die sie an die Medien wenden zurück. Und oft sind diese Whistleblower im Nachhinein Repressalien an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt - wenn sie nicht gefeuert werden.

Darum will die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten diejenigen besser geschützt wissen, die in ihre Pfeife stoßen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. »Informanten müssen geschützt werden«, sagte Michaela Rosenberger, »Whistleblower müssen die Möglichkeit haben, anonym Missstände anzuzeigen und auch danach anonym zu bleiben.« Dazu müssten gesetzliche Regelungen her. Denn dass miese Arbeitsbedingungen ans Licht kommen, ist für die neue Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nicht nur ein notwendiger Teil von Gewerkschaftsarbeit. Derlei Missstände aufzudecken sei auch ein Teil von Verbraucherschutz, wenn man sich die Zustände in manchem Schlachthof oder in mancher Lebensmittelfabrik ansieht. Rosenberger kritisierte den Preisdruck, der durch den Lebensmittelhandel entsteht. Die Arbeitsbedingungen in der Lebensmittelindustrie hingen nicht zuletzt vom Verhalten der Verbraucher ab.

Mit dieser am Mittwoch vor Journalisten in Berlin am Rande des NGG-Gewerkschaftstages vorgetragenen Forderung, stellte sich auch der neue dreiköpfige Geschäftsführende Hauptvorstand vor, der am Vortag gewählt worden war. Neben den Whistleblowern wird für Michaela Rosenberger und ihre Stellvertreter Claus-Harald Güster und Burkhard Siebert besonders das Gastgewerbe in den nächsten Jahren im Fokus stehen. Das Image der Gastronomie soll poliert werden. Die Attraktivität der Branche soll besonders durch bessere Sozialstandards gesteigert werden.

Dafür will die NGG ein »soziales Gütesiegel« einführen, mit dem sie gute Arbeitgeber auszeichnen will. Nur mit einem positiven Image habe die Branche die Chance, Nachwuchs und damit gut ausgebildete Fachkräfte zu gwinnen. »Es ist schade, dass durch die negativen Entwicklungen der letzten Jahre das Gastgewerbe so ein negatives Image hat«, sagte Burkhard Siebert. »Besonders im Hotel- und Gastgewerbe sind sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse atomisiert und in 450-Euro-Jobs umgewandelt worden«, so Siebert.

Nach einer aktuellen Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat die Zahl der Minijobs im Gastgewerbe seit 2007 um 22 Prozent zugenommen. Von den Beschäftigten in der Gastronomie verdienten im Jahr 2010 mehr als drei Viertel ein Gehalt unterhalb der Niedriglohnschwelle von 9,15 Euro pro Stunde. Die Folge: Mehr als 160.000 Beschäftigte, darunter rund 70.000 in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen, mussten ihr Einkommen mit Hartz-IV-Leistungen aufstocken.

Ein Grund für das niedrige Lohnniveau ist nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung die geringe Tarifbindung, der niedrige gewerkschaftliche Organisationsgrad. Überdies seien viele Arbeitgeber aus den Arbeitgeberverbänden und damit aus der Tarifbindung ausgestiegen. Von den insgesamt über 1,9 Millionen Beschäftigten sind nach NGG-Angaben nur 40.000 Mitglieder der Gewerkschaft.

Nicht zuletzt setzt der neue Vorstand einen weiteren Schwerpunkt auf Minijobs beziehungsweise deren Abschaffung setzen. Für jede ausgeübte Beschäftigung müsse es Beiträge zur Sozialversicherung geben. Minijobs seien »eine Sackgasse«, so Rosenberger und überdies ein »Synonym für Altersarmut«.

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