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Graue Wölfe heulen in Oberhausen

Gegen das Deutschlandtreffen der türkischen Faschisten regt sich Widerstand

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Die »Grauen Wölfe« sind die mitgliederstärkste rechtsextreme Organisation in Deutschland. Am Samstag reisen Tausende türkischstämmige Faschisten zum Deutschlandtreffen ins Ruhrgebiet.

Auch Türken können Faschisten sein - löste diese simple Erkenntnis vor einigen Jahren noch Befremden aus, wenn nicht gar den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit, so scheint sie nun Mainstream zu werden. Auch im Ruhrgebiet, der deutschen Hochburg der Grauen Wölfe. Und langsam kommt die Botschaft auch in Oberhausen an, wo sich am heutigen Samstag Tausende der Ultra-Nationalisten in der König-Pils-Arena treffen wollen. So wie 2005 und 2007, während sie 2009 und 2011 die Essener Grugahalle bevorzugten.

Tausende Faschisten in der Stadt? Gegen das braune »Deutschlandtreffen« regt sich politischer und zivilgesellschaftlicher Widerstand. Zur Wochenmitte verabschiedete der Rat der Stadt Oberhausen gegen die Stimmen der FDP eine Resolution, derzufolge die Grauen Wölfe hier unerwünscht seien. Der Arena-Betreiber, die SMG Entertainment Deutschland GmbH, wird aufgefordert, das Event abzusagen. »Wir sind froh, dass es in Oberhausen einen breiten Konsens gegen Rassismus gibt. Nun sind die Betreiber der Arena an der Reihe«, sagte Yusuf Karacelik, Vorsitzender der Linke-Liste-Ratsfraktion.

Doch das »Deutschlandtreffen«, von Arena-Chef Johannes Partow als »kulturelles Event« verharmlost, wird wohl dennoch stattfinden. Eine recht kurzfristig von einer Einzelperson anberaumte Gegendemonstration dürfte indes als Rohrkrepierer enden. »Niemand kann für die Sicherheit der Demonstranten garantieren, wenn tausende Faschisten vor Ort sind«, warnt LINKE-Fraktionschef Karacelik vor eine Teilnahme.

7000 »Graue Wölfe« sind in der in Deutschland aktiven »Föderation der Demokratischen Türkischen Idealistenvereine« vereint, einer Vorfeldorganisation der türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP). Gegründet von dem Hitler-Verehrer und mehrmaligen Minister Alparslan Türkeş, war sie eine Stütze der Militärdiktatur der 80er Jahre. Keine andere rechtsextreme Organisation in Deutschland ist annähernd so mitgliederstark. Die NPD-Kartei umfasst 5000 Kameraden, Geheimdienstspitzel mitgezählt.

Die Feindbilder der Grauen Wölfe: Kurden, Juden, Christen, Schwule, Linke, Armenier, Griechen, generell Andersdenkende. Das Ziel: Ein großtürkisches Reich nach faschistischer Façon, das bis Sibirien reichen soll. Als die Polizei im Juni Razzien in den Bundesländern NRW, Bayern und Hessen durchführte, konfiszierte sie neben Schlagstöcken, Messern und Elektroschockern auch Samurai-Schwerter.

Fast die Hälfte der 150 in Deutschland gegründeten Graue-Wölfe-Vereine agiert im Ruhrgebiet. Und das nicht ohne Erfolg: So lehnte es der Essener Integrationsrat vor zwei Jahren ab, das letzte »Deutschlandtreffen« der Grauen Wölfe in der Grugahalle zu verurteilen. In Solingen nehmen »Graue Wölfe« wie selbstverständlich am offiziellen Gedenken an die Opfer des Solinger Brandanschlages teil. Bereits 2005 konstatierten Medien an Kölner Schulen ein »Klima der Angst« - wegen des Wirkens »Grauer Wölfe«, denen in der Domstadt auch der Mord an dem linken Exilanten Erol Ispir Ende der 1990er-Jahre zur Last gelegt wird.

Doch 2011, das Jahr des bisher letzten »Deutschlandtreffens«, markiert offenbar einen Wendepunkt. 2011 häuften sich in NRW brutale Übergriffe türkischer Nationalisten gegen Kurden, bei denen auch wenig Rücksicht auf Polizisten und Passanten genommen wurde. Die Schlagzeilen waren alarmierend. Doch obwohl »Graue Wölfe« stets in vorderster Front dabei waren, sprachen Behörden und Medien von »Türken«; als sei ein hochreaktionär-militantes Verhalten gleichsam normal für Menschen, die aus dem Land am Bosporus stammen.

Zwischenzeitlich wurde Aufklärungsarbeit betrieben. Insbesondere legte die rot-grüne Landesregierung, von der damaligen Linksfraktion zum Jagen getragen, eine Broschüre zum Thema »Wer sind die Grauen Wölfe?« auf. Was die Essener Grugahalle betrifft, so dürfen Graue Wölfe dort seit 2011 nicht mehr tagen. Auslöser des Verbots war eine Resolution des Essener Stadtrates - ähnlich der, die nun in Oberhausen beschlossen wurde.

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