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Pläne schmieden für eine ungewisse Zukunft

In Weimar wehren sich die Bewohner eines Hauses gegen die Umbaupläne des Vermieters

  • Von Niklas Wuchenauer, Weimar
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Menschen im »Hababusch« verstehen ihr Gebäude seit bald 20 Jahren als kulturellen Freiraum. Sanierungspläne des Besitzers bedrohen nun die Zukunft des Projekts in der Weimarer Altstadt.

Keine zweihundert Meter vom Deutschen Nationaltheater und der überlebensgroßen Statue von Goethe und Schiller entfernt, vor der sich im Sommer die Touristen drängeln, steht an einem kleinen Platz das »Hababusch«. Von den durch die Altstadt schlendernden Touristen wird es höchstens wegen seiner efeubewachsenen Fassade eines zweiten Blickes gewürdigt. Vor allem für die Studenten in Weimar ist es allerdings ein wichtiger Teil des Kulturangebots in der Stadt.

Bekannt geworden ist das »Hababusch« als erstes Hostel Ostdeutschlands, gegründet von Weimarer Studenten Mitte der 90er. Auch heute noch sind die rund 17 Bewohner verantwortlich für eine lange Liste von Konzerten, »Volxküchen« und Flohmärkten. Dem Projekt droht allerdings ein baldiges Ende: Bis zum nächsten Jahr sollen sie aus dem Gebäude ausziehen, wenn es nach Eberhard Kemmann, dem Besitzer, geht. Nach seinen Plänen sollen lieber heute als morgen die Bauarbeiten losgehen - anstelle der bunt gemischten Wohngemeinschaften könnten schon bald Mieter von Ferienwohnungen den Blick auf die ruhige Altstadt genießen.

Die derzeitigen Mieter können diesen Plänen wenig abgewinnen. Sie verweisen auf die fast 20-jährige Geschichte des Hausprojekts: »Schon damals ging es darum, einen nicht-kommerziellen Raum zu schaffen. Die Idee von einem Hostel war damals total neu: Besucher von überall her sollten von den Hausbewohnern empfangen und in die Gruppe aufgenommen werden«, erzählt Maik Gramatte, der schon einige Jahre im »Hababusch« wohnt. Nach der Schließung des Hostels vor gut einem Jahr hätten die Bewohner sich auf andere kulturelle Angebote verlegt. »Wir haben einfach gemerkt: Wohnen allein, das reicht uns hier nicht. Wir wollen dieses Haus weiterhin als Freiraum gestalten!«

Die großen Gemeinschaftsflächen der zwei WGs, die sich jeweils über eine ganze Etage erstrecken, kann man sich nur zu gut als Veranstaltungsfläche vorstellen. Tatsächlich wirbt ein Flyer am Eingang für das nächste »Wohnzimmerkonzert« mit einer kleinen Band aus Weimar.

»Wenn wir erst mal das Erdgeschoss und den Garten mitnutzen dürfen, dann könnten wir ein richtiges Programm auf die Beine stellen. Vieles, was wir hier tun, steckt noch in den Kinderschuhen«, meint Gregor Biastoch, der ebenfalls im »Hababusch« wohnt, begeistert. Dabei geht es der Gruppe hinter dem »Hababusch« keineswegs nur um Partys: »Wir wollen kulturelle Angebote für die ganze Stadt schaffen. Das kann auch bedeuten, dass wir Spielzeug für Kinder bauen und den Hof dafür öffnen, wie das schon mal Leute gemacht haben.« Eine weitere Idee ist, das seit Jahren leerstehende Erdgeschoss in ein nicht-kommerzielles Café mit Veranstaltungsraum auszubauen.

Auf großes Entgegenkommen des Vermieters können sie dabei nicht hoffen. Er zieht sich auf einen Vertrag mit der Stadt Weimar von 1996 zurück, in dem die Bedingungen des Hauskaufes damals festgelegt wurden. »Dieser Vertrag verpflichtet mich unter anderem eine Gewerbenutzung im Haus einzurichten, die es noch nicht gibt. Vorher darf ich auch gar nicht verkaufen«, so Kemmann. Nicht nur die Hausbewohner bezweifeln diese Argumentation, auch die Stadt hält die Verträge für nicht mehr aktuell. »Die Fristen dieser Verträge sind mittlerweile abgelaufen«, bestätigt Sprecher Ralf Finke knapp.

Dass die unsichere Perspektive des ganzen Projektes die Menschen in der Geleitstraße 4 nicht dazu gebracht hat, zu resignieren, sieht man schon von außen: Etliche selbst gemachte Stoffbahnen machen auf die ungewisse Zukunft des kulturellen Projekts aufmerksam. Vielleicht ist es sogar die offene Zukunft des Hauses, die sie ermuntert, Pläne zu schmieden.

Mit einem Kompromiss zwischen ihm und der Gruppe im »Hababusch« rechnet Eberhard Kemmann nicht: »Wissen Sie, ich möchte diese leidige Geschichte auch endlich mal beenden.« Damit sind die Bewohner des »Hababusch« durchaus einverstanden, sie schlage den Verkauf des Hauses an einen Trägerverein des Hausprojekts vor: Mit Unterstützung des Freiraum-Netzwerks »Mietshäusersyndikat« wollen sie das Gebäude erwerben und so endlich unabhängig sein. An Unterstützern fehlt es dem Appell an den westfälischen Besitzer, zu verkaufen, nicht. Eine an ihn gerichtete Petition wurde im Internet schon von über 1000 Menschen unterzeichnet.

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