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US-Bomber über dem Ostchinesischen Meer

Konflikt um neue Zone der chinesischen Luftverteidigung / Alter Inselstreit mit Japan eskaliert

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 3 Min.
China streitet mit Japan um Inseln und in den Luftraum der Region schickten die USA schwere B 52-Bomber.

Die Reaktion Chinas fiel am Mittwoch vorerst noch gelassen aus. Die Aufklärung habe die B 52-Bomber der US-Luftwaffe während ihres zweieinhalbstündigen Fluges 200 Kilometer östlich der zwischen China und Japan umstrittenen Senkaku-, chinesisch Diaoyou-Inseln im Ostchinesischen Meer am Vortag »beobachtet, identifiziert und ihren Typ bestimmt«, wurde das Verteidigungsministerium in Peking von dpa zitiert.

China hatte am Sonnabend eine neue »Identifikationszone zur Luftverteidigung« (ADIZ) über dem Seegebiet festgelegt. Ausländische Flugzeuge sollen sich bei Annäherung identifizieren und den Anweisungen der chinesischen Luftwaffe folgen. Die US Air Force verweigert sich dem Ansinnen jedoch. Washington verbreitete die gewollt harmlose Botschaft, der Flug zweier B-52-Bomber über die zwischen China und Japan umstrittene Inselregion sei »lange geplant« gewesen.

Wie die USA betrachtet auch Japan die Zone weiterhin als internationalen Luftraum und lehnt unter Protest ihre Anerkennung ab. Tokio forderte seine Fluggesellschaften auf, sie einfach zu ignorieren. Japans Außenminister Fumio Kishida nannte Chinas Entscheidung »sehr gefährlich« und forderte die Rücknahme. Das Parlament in Tokio verabschiedete prompt ein Gesetz zur Bildung eines Nationalen Sicherheitsrates. Südkoreas Außenminister Yun Byung Se meinte, die ohnehin schwierige Lage in der Region werde noch schwieriger.

In Washington erinnerte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel laut Medienberichten bereits an die Bündnispflichten seines Landes gegenüber Japan. Die würden sich auch auf die umstrittenen Inseln erstrecken. Ein Angriff darauf könne als Bedrohung der nationalen Sicherheit gedeutet werden. Gelegenheit zu Klarstellungen dürfte US-Vizepräsident Joseph Biden haben, wenn er kommende Woche China, Japan und Südkorea besucht.

Die in Tokio erscheinende »Asahi Shimbun« räumte allerdings ein, dass die japanische Identifikationszone ihrerseits »weit über den eigenen Luftraum hinausreicht«. Ausländische Flugzeuge würden bei fehlender Anmeldung von Jägern der Selbstverteidigung abgefangen. Die japanische Zone stelle eine »illegale Besetzung unseres Territoriums« dar, klagte Liang Fang, Professor für Strategie an der chinesischen Universität für Nationale Verteidigung, gegenüber der chinesischen KP-Zeitung »Global Daily«.

Wie um ihre Flugzonen, die sich nun konfliktträchtig überlappen, streiten Taiwan und die Volksrepublik China mit Japan seit langem um die unbewohnte Inselgruppe. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die USA die Kontrolle über die Inseln. 1972 wurden sie an Japan übergeben. Die japanische Regierung kaufte 2012 drei der insgesamt fünf umstrittenen Senkaku-Inseln einem Privatbesitzer ab.

China sieht dort eigenes historisches Gebiet, nennt den Umgang mit den Inseln rechtswidrig und fordert Rückgabe. Gasvorkommen und reiche Fischgründe haben den Streit erheblich befeuert. 1996 erklärten nach erfolgreichen Öl-Probebohrungen gleichermaßen Japan und China die Inseln zu ihrer Ausschließlichen Wirtschaftszone.

Besonders seit 2010 wurde der Konflikt mehrfach »handgreiflich« ausgetragen. Chinesische Fischer und die japanische Küstenwache gerieten nicht nur einmal bis zum Rammen aneinander. Zu einer taiwanesisch-japanischen Seeschlacht mit stundenlangem gegenseitigen Beschuss durch Wasserwerfer kam es im Vorjahr.

Er sei neugierig, ob ein chinesisches Flugzeug aufsteige, wenn ein japanisches in die Identifikationszone fliege, wurde nun ein Vertreter des japanischen Verteidigungsministeriums zitiert. Dass sein eigenes Land Lufthoheit jedoch ernst nimmt, erfuhren just am Wochenende die russischen Luftstreitkräfte. Ihre beiden strategischen Bomber Tu-95 wurden auf einem Patrouillenflug am Rande des japanischen Luftraums von japanischen Kampfjets begleitet.

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