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Grün-weiß für die Energiewende

Tausende demonstrierten in Berlin gegen Atomkraft, Kohle und Fracking

Der Koalitionsvertrag verspricht nichts Gutes fürs Klima und die Erneuerbaren. Deswegen mobilisierten rund 60 Umweltverbände für letzten Samstag nach Berlin.

Am Berliner Hauptbahnhof dominiert Grün-weiß. Fast jeder und jede zweite hier trägt am Samstagmittag einen Schal in diesen Farben. So viele Werder-Fans? Aber was machen die hier, kickt Bremen nicht in Hoffenheim? Nein, die Leute sind nicht wegen eines Fußballspiels gekommen, sondern um gegen Atomenergie, Kohlekraft und Fracking zu demonstrieren. Und auf den Schals, die überall kostenlos verteilt werden, steht nicht »Lebenslang SV Werder«, sondern ein anderes Bekenntnis: »Energiewende«.

Rund 60 Umweltverbände, Anti-Atom-Gruppen und Bürgerinitiativen aus ganz Deutschland hatten zu der Protestaktion aufgerufen, außerdem Organisationen wie Attac, das Kampagnennetzwerk Campact und die Naturfreunde. Sie alle sind getrieben von der Sorge, dass die Große Koalition und die Stromkonzerne die Energiewende zurückdrehen wollen. »Schwarz-Rot plant einen Frontalangriff auf die Energiewende und will mit einem Ausbaudeckel die Erneuerbaren ausbremsen«, sagt etwa Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz.

16 000 Menschen sind zur Demo gekommen – das sagen später zumindest die Veranstalter. Von der Polizei gibt es an diesem Tag keine Zahlen. Dicht an dicht stehen die Bücher- und Infotische auf dem Washingtonplatz. Die »BI Nordfriesland gegen ein CO2-Endlager« protestiert mit einem Fischernetz gegen die Kohlendioxid-Verpressung in der Nordsee. Eine Gruppe schwarz gekleideter Menschen mit geschwärzten Gesichtern skandiert »Weg mit Kohle und Atom – Für die soziale Revolution«.

»Energiewende statt Klimakriege« fordert die Linke an ihrem Stand. »Energierevolution? Das machen wir!«, verkünden die Elektrizitätswerke Schönau. Die Genossenschaft aus dem Schwarzwald, die aus der Anti-AKW-Bewegung hervorgegangen ist, betreibt nicht nur das örtliche Stromnetz, sondern vertreibt auch Ökostrom in ganz Deutschland.

Kein Mangel an Motiven für die aus dem Wendland angereisten Fotografen der Widerstandsagentur »Publixviewing«: Da hinter rollen Aktivisten vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine drei Meter große Erdkugel über den Platz. »Den Ball hatten wir schon mit bei der Klimakonferenz in Warschau«, sagt einer. Gleich daneben lehnt ein Transparent an einem Lastwagen: »Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen«. Klingt weise, aber was genau wollen die Verfasser damit sagen?

Es hat zu regnen begonnen, als sich der bunte Zug am frühen Nachmittag in Bewegung setzte. Über das Kapellufer und die Friedrichstraße geht es Richtung Regierungsviertel. Aus der FDP-Zentrale in der Dorotheenstraße beobachtet ein Dutzend flott frisierter Liberaler die Demonstration, Anti-AKW-Spuckis auf der Scheibe verschlechtern ihnen bald die Sicht

Auf der Wiese vor dem Reichstag wollen Aktivisten Drachen für die Energiewende aufsteigen lassen. Es herrscht aber gerade Flaute, auch die Anlaufwege sind sehr kurz, so dass es kaum ein Fluggerät nach oben schafft. Besser klappt die zu Mobilisierungszwecken ins Programm genommene Umzingelung des Bundeskanzleramtes. Die Menschenkette ist schon geschlossen, als das Demoende das Gebäude am Spreebogen noch gar nicht erreicht hat. Nur wenige Wachmänner sichern die Eingänge. Es scheint so, als sei niemand zu Hause.

Es gibt im Verlauf des Tages mehrere Anzeigen wegen Beleidigung von Beamten. Ein Demonstrant wird vorläufig festgenommen, weil er absichtlich eine Brandmeldeanlage am Hauptbahnhof ausgelöst haben soll. Eine Frau erhält eine Anzeige wegen Körperverletzung. Der Vorwurf: Sie habe mit einem Laserpointer einen Wachdienstmann der US-Botschaft zu blenden versucht.

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