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Steueroasen fürchten sich vor Austrocknung

Offshore-Leaks führte zur Vertrauenskrise

2013 war kein gutes Jahr für die Steueroasen, das meint zumindest ihre Industrie. Wer sich darüber freuen könnte, ist der Fiskus.

Neue Gesetze und Veröffentlichungen über ihre Geschäfte mag die Offshore-Industrie nicht. Deshalb war 2013 bis jetzt kein gutes Jahr für die Branche, die ihr Geld mit der Kapitalflucht in Steueroasen verdient. Sie arbeitet lieber im Schatten der Öffentlichkeit und weit entfernt von staatlichen Regeln.

»Der Schaden, der dadurch entstanden ist, dass das internationale Konsortium investigativer Journalisten eine Festplatte mit 2,5 Millionen Datensätze über Offshore-Vermögen in die Hände bekommen hat, sollte nicht unterschätzt werden«, schreibt die Firma Offshore Incorporations in ihrem Bericht »Offshore 2020«. Zum nunmehr vierten Mal liefert sie ein Stimmungsbild der internationalen Steuertrickserszene. Dafür befragte das Unternehmen dieses Jahr 228 Akteure der Branche. Die meisten stammten aus Asien, wo auch das größte Potenzial ausgemacht wird.

Denen sind eben jene Veröffentlichungen ein besonderer Dorn im Auge, die unter dem Titel »Offshore- Leaks« im Frühjahr dieses Jahres Aufsehen erregten. Damals berichteten Zeitungen wie der britische »Guardian« und die »Süddeutsche« über ein Datenleck der Offshore-Industrie. Das bewirkte eine »Vertrauenskrise«, wie es in dem Bericht heißt. 38 Prozent der Befragten gaben an, dass die Nachfrage nach ihren Diensten infolge dessen gesunken sei. 46 Prozent sagten, dass ihre Kunden nun in andere Oasen ziehen würden. Besonders davon betroffen seien die karibischen Jungenferninseln und die Kaimaninseln.

Doch nicht nur die Veröffentlichungen verunsichern die Branche. Auch neue Gesetze trüben bei ihnen die Stimmung. Zwei neue Regelwerke bereiten der Offshore-Industrie besondere Bauchschmerzen: das Facta-Gesetz der Vereinigten Staaten, das der US-Steuerbehörde mehr Rechte im Ausland gab, und die AIFM-Richtlinie der EU zur Schaffung größerer Transparenz bei Investmentfonds. All dies führte dazu, dass Banken jetzt bei der Eröffnung von Offshore-Konten genauer hinschauen. Zumindest berichteten das 86 Prozent der Befragten.

Von Reue und Selbstkritik ist die Offshore-Industrie allerdings weit entfernt. Stattdessen beklagt sie eine »unangemessene moralische Kriegsführung« gegen sie und sieht als wichtigste Herausforderung an, ihr Bild in der öffentlichen Meinung wieder ins rechte Licht zu rücken. Um das zu schaffen, möchte sie in erster Linie bessere PR- und Lobby-Arbeit betreiben. Neue Regulierungen stehen an letzter Stelle.

Für den Fiskus bleibt da nur zu hoffen, das die Offshore-Branche diesen Imagekampf nicht gewinnt. Alleine der EU gehen pro Jahr schätzungsweise eine Billion Euro durch Steuerbetrug, Steuerhinterziehung, Steuerumgehung und aggressive Steuerplanung verloren, schätzt das Europaparlament. Das sind jährlich fast 2000 Euro, die die EU-Staaten dadurch weniger für jeden ihrer Bürger zur Verfügung haben.

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