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»Wir schicken niemanden weg«

Unterschiedliche Angebote sollen in Rheinland-Pfalz verhindern, dass Obdachlose erfrieren

Damit niemand im Freien übernachten muss, bieten die Kommunen Unterkünfte für Wohnungslose an. Ob der Obdachlose hingeht, muss er selbst entscheiden - Beispiele aus Rheinland-Pfalz.

Mainz. Immer wieder erfrieren in Deutschland Obdachlose - trotz zahlreicher Notunterkünfte. In Rheinland-Pfalz kümmern sich die Kommunen mit ganz unterschiedlichen Angeboten darum, dass niemand auf der Straße schlafen muss, wie eine dpa-Umfrage ergab. Es geht oft nicht nur um ein Dach über den Kopf, sondern auch um eine Gelegenheit zum Waschen und Duschen. Viele Obdachlose nutzen die Angebote jedoch erst in letzter Not.

Die Anzahl der Wohnungslosen in Rheinland-Pfalz ist in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. Ende 2012 hatten laut einer Stichtagserhebung 1081 Menschen im Land keine eigene Bleibe oder waren von Wohnungslosigkeit bedroht, wie das Sozialministerium im Sommer mitteilte. In Mainz berichtete eine Mitarbeiterin des Mainzer Vereins »Armut und Gesundheit« vom derzeit rasenden Absatz an Schlafsäcken, Isomatten und warmen Sachen. Viele Obdachlose scheuten den Weg in die Notunterkunft, weil sie nicht mit vielen Menschen in einem Saal schlafen könnten oder dort Hunde verboten seien. Die Pfarrer-Landvogt-Hilfe (PLH) in der Mainzer Zitadelle bietet neben Notunterkünften auch Wärmestube, Kleiderkammer und ärztliche Hilfe. Auch bekommen Obdachlose hier ein Frühstück oder ein warmes Abendessen. Streetworker der PLH bieten zudem draußen vor Ort ihre Hilfe an. Bei der katholischen Cityseelsorge in Mainz gibt es eine Broschüre mit vielen Infos für Hilfesuchende, wie Pfarrer Michael Baunacke berichtete. Die meisten Obdachlosen wüssten aber bereits sehr gut über die verschiedenen Angebote Bescheid. Wird es richtig kalt, würden spontan weitere Plätze geschaffen. »Dann öffnen wir auch mal eine Kirche oder einen Gemeinderaum.« Allerdings versuchten viele Obdachlose, so lange wie möglich ihre Freiheit zu erhalten - mit allen Risiken. Der Caritasverband Mainz betreibt das Thaddäusheim. Zudem gibt es in Bingen eine Herberge für Obdachlose. »Das Thaddäusheim ist viel mehr als eine Notunterkunft«, erzählte Anne Stein von der Caritas. »Wir wollen gerade junge Menschen motivieren, eine Berufsausbildung zu machen.« Derzeit mache ein junger Wohnungsloser dort eine Ausbildung zum Koch. Im Winter werden auch schon mal zusätzliche Feldbetten aufgestellt. »Wir schicken niemanden weg«, sagte Stein. Ganz neu ist die Möglichkeit, »Bettpate« zu werden. Spender finanzieren damit eine zusätzliches Bett im Thaddäusheim.

In Ludwigshafen gibt es städtische Notunterkünfte für Menschen, die ihre Wohnung verloren haben. Kältetote habe es in der Stadt seit mindestens 18 Jahren nicht mehr gegeben. Obdachlose in Kaiserslautern können sich in der kalten Jahreszeit unter anderem in der »Glockestubb« aufwärmen. Täglich gehen dort 20 bis 25 Menschen ein und aus.

In Trier gibt es ein ganzes Netzwerk an sozialen Hilfen. Dazu zählen Übernachtungseinrichtungen für Männer und Frauen, eine medizinische Behandlung im Krankenhaus sowie die Unterstützung von einem »Streetworker«. Zudem gibt es eine Tafel, Ausgaben von Mittagessen und Kleiderkammern. Alle Stellen arbeiteten eng zusammen, auch mit Jobcenter, Gesundheitsamt und Polizei.

Die Stadt Koblenz hält für Obdachlose ein Übernachtungsheim, ein Restaurant und eine Anlaufstelle bereit, wo sich Wohnungslose tagsüber aufhalten können. Dort können sie unter anderem duschen oder Wäsche waschen. Zudem kümmert sich ein Mitarbeiter des Sozialdienstes explizit um ihre Belange. Ein Kältebus ist mehrmals in der Woche unterwegs. Zudem hätten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes ein Auge auf die Menschen, die bei Kälte im Freien schlafen müssten. dpa/nd

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