Gottes Banker

PERSONALIE

  • Von Mattes Dellbrück
  • Lesedauer: 2 Min.

Zu den vielen Baustellen, die Papst Franziskus von seinen Vorgängern geerbt hat, gehört auch die geheimnisumwobene und skandalgeplagte Vatikanbank Istituto per le Opere di Religione, kurz IOR. Schon 1985 geriet sie im Zusammenhang mit der betrügerischen Pleite der Banco Ambrosiano in die Schlagzeilen. Nun hat das Institut für die religiösen Werke mit Rolando Marranci wieder einen »richtigen« Generaldirektor, nachdem Anfang Juli Paolo Cipriani gehen musste und der Aufsichtsratspräsident das Amt kommissarisch übernommen hatte. Cipriani stolperte über die Affäre um einen Vatikan-Prälaten, der sein IOR-Konto benutzt haben soll, um für Freunde Geld zu waschen. Damals war Marranci zum Vize-Generaldirektor ernannt worden, ein überaus effizienter, wie der Aufsichtsrat jetzt via »Radio Vatikan« wissen ließ. Das überzeugte auch die zuständige Kardinalskommission, die der Beförderung des 60-Jährigen zustimmte.

Marranci, im toskanischen Reggello geboren, ist ein erfahrener Banker und hat viele Jahre in Führungspositionen für das italienische Finanzinstitut BNL gearbeitet, u.a. in London. Doch die IOR-Leitung im Turm Nikolaus V. neben dem Apostolischen Palast dürfte für den dreifachen Vater die bisher größte Herausforderung werden. Der neue Papst setzte eine Reformkommission ein und machte einen seiner Sekretäre zum direkten Berichterstatter. Von Marranci, der die operativen Geschäfte der Bank mit einer Bilanzsumme von rund fünf Milliarden Euro (2012) leitet, wird mehr Transparenz und ein kompromissloser Kampf gegen Geldwäsche und Korruption erwartet.

Vor zwei Monaten hatte das 1942 in jetziger Form gegründete Institut überhaupt zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Bilanz veröffentlicht - und das auf seiner neu eingerichteten Website. Dutzende Mitarbeiter durchforsten nun die rund 20 000 Kunden nach schwarzen Schafen. Und wie der Mailänder »Corriere della Sera« berichtete, wurden inzwischen schon 1300 Kontoinhaber aufgefordert, ihre Bankverbindung zu kündigen.

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