Der nette Nazi von nebenan

  • Von Marcus Meier, Bochum
  • Lesedauer: 3 Min.
Sie haben die Wahl. Im Wahllokal und bei ihrer Lieblingszeitung. Damit das so bleibt: Linken Journalismus bitte bezahlen!
Kampf ohne Machtbekenntnis

Was soll das hier?

Linker Journalismus – das ist der Luxus, zur Bundestagswahl nicht nur die überall gleichen Agenturmeldungen zu lesen, sondern das Koalitionsgerangel aus einer linken Perspektive kritisch zu beobachten und zu beurteilen. Wir zahlen Reportern einen korrekten Lohn, recherchieren aufwendig für profunde Hintergründe, sprechen mit unabhängigen Experten. Das alles kostet Geld. Wenn Ihre persönliche Lage es zulässt, freuen wir uns deshalb, wenn Sie die Lektüre dieses Textes mit einem frei gewählten Obolus honorieren – oder unser Blatt gleich gedruckt oder online abonnieren!

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...
Michael Brück, Neonazi, studiert Jura an der Ruhr-Universität. Aktivisten wiesen darauf hin, die Aktion mündete in einer Rangelei. Nun gelten die Nazigegner als das eigentliche Problem.

Die Aktion ist auch bei Linken umstritten, wegen ihrer Form, wegen ihres Misslingens: Am Montag unterbrachen rund 20 als Weihnachtsmänner verkleidete oder mit »Anonymus«-Masken vermummte Menschen eine Jura-Einführungs-Vorlesung an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Mit Megafon und Flugblättern wollten sie die anwesenden Jura-Erstsemester darauf hinweisen, dass mitten unter ihnen ein bundesweit bedeutsamer Neonazi-Aktivist sitzt.

Michael Brück war führender Kader des zwischenzeitlich verbotenen »Nationalen Widerstands Dortmund« und ist stellvertretender NRW-Vorsitzender der Pseudopartei »Die Rechte«, die rechts von der NPD angesiedelt ist. Seit Oktober studiert Brück Rechtswissenschaften. Das war selbst der RUB-Spitze bis dato unbekannt.

Doch die Outingaktion lief aus dem Ruder. Ein mit einem Mobiltelefon aufgenommenes Video zeigt, wie der aufgebrachte Dozent, Professor Georg Borges, die Aktivisten anbrüllt, auf einen »Weihnachtsmann« losstürmt und ihn rüde attackiert. Es kommt zu einem Tumult. Dabei, so behauptet Borges, sei ihm ins Gesicht geschlagen worden. Vier der Aktivisten wurden, an ihrer Maskierung erkannt, von der Polizei aufgegriffen. Strafanzeigen wurden erstattet.

Als das eigentliche Problem gelten nun die Anti-Nazi-Aktivisten. Die Unileitung belobigte noch am Tag der Aktion die Zivilcourage» des Professor und verurteilte «auf das Schärfste» den «tätlichen Angriff auf den Juristen». Die Lokalpresse verglich die Aktion mit Nazigewalttaten gegen jüdische Professoren zu Beginn des «Dritten Reichs», ließ zudem wilde Gewaltgerüchte kursieren. Ein Stück weit versachlichte sich die Debatte, als am Dienstagabend besagtes Video öffentlich wurde, das die Vorwürfe arg einseitig erscheinen ließ.

Schaut man in Internetforen, wird deutlich: Die Outingaktion wurde von den Anwesenden als bedrohlich wahrgenommen. Viele jedoch halten es darüber hinaus für falsch, einen Nazikader zu «outen». Mitunter paart sich diese Einschätzung mit Ressentiments gegen Linke oder «die Antifa».

Auch die Unileitung kritisierte flugs «das gezielte Anprangern eines Jurastudenten», also des Stiefelfaschisten Brück. «Wir können es nicht dulden, dass Mitglieder unserer Universität so massiv angegangen werden», ließ RUB-Rektor Elmar Weiler sich zitieren. Der Pflanzenphysiologe sah des Nazis Persönlichkeitsrechte verletzt, was «nicht hinnehmbar» sei. Anti-Brück-Plakate («Duldet keine gewaltbereiten Neonazis an der Uni!») ließ das Rektorat im Eiltempo entfernen.

«Die Unileitung setzt alles daran, ihr Naziproblem zu vertuschen», ärgern sich die Aktivisten. «Wir nehmen unsere Pflichten wahr. Herr Brück darf an der RUB studieren und wir müssen unsere Studierenden schützen, notfalls auch mit Hilfe der Polizei», kontert eine Unisprecherin. Eine andere Situation entstünde erst, wenn Herr Brück an der RUB Straftaten begehen würde.

Vielleicht sollte die RUB-Spitze nach Bielefeld schauen. Dort hatten sich gleich fünf Neonazis eingeschrieben. Die Hochschule reagierte mit einer breit angelegten Kampagne namens «Uni ohne Vorurteile», die insbesondere Erstsemester ansprach. Postkarten, Buttons, eine Ringvorlesung und Fortbildungen für Lehrende: das Spektrum war breit. Weitere Aktionen sind geplant - ohne Masken, aber auch ohne Widerstand des Rektorats. Das war in Bielefeld nämlich vorne mit dabei.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

jetzt abonnieren!

Wie? Noch kein Abo?

Na, dann aber hopp!

Einfach mal ausprobieren: 14 Tage digital, auf Papier, als App oder was weiß ich!

Jetzt kostenlos testen