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Hans Gerd Öfinger über den Tarifabschluss im Einzelhandel

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Dass Aufklärung, Kampfbereitschaft und Zähigkeit auch im 21. Jahrhundert wirken, ist ein wichtiges Signal des Stuttgarter Tarifabschlusses für den Einzelhandel. Hier wurde der Plan großer Konzerne durchkreuzt, den Flächentarifvertrag zu durchlöchern und die Löhne der ohnehin nicht üppig verdienenden Beschäftigten massiv abzusenken.

Vielfach haben darin unerfahrene Beschäftigte gestreikt, weil sie begriffen, dass es »um die Wurst« ging. Ein Ausstand ist kein Zuckerschlecken und mit bis zu 80 Streiktagen haben zahlreiche ver.di-Aktivisten hohe persönliche Opfer gebracht. Die tonangebenden Handelskonzerne haben verstanden, dass die Beschäftigten nicht müde wurden und gerade in der umsatzstarken Vor- und Nachweihnachtszeit sogar mehr drin war. Auftrieb bringt der Abschluss auch für die Streikenden beim Versandhändler Amazon, die endlich in den Genuss des Einzelhandelstarifs kommen wollen.

Bei aller Erleichterung wären Überschwang und Euphorie verfehlt, weil die Konzerne weiter Kosten senken wollen. Das Tauziehen um Entgeltstrukturen und Flexibilisierung geht weiter. Die Tarifbindung in der Branche sinkt. Nach dem jetzigen Waffenstillstand könnte der Konflikt 2015 erneut in aller Schärfe aufbrechen. Bis dahin sind viel Überzeugungsarbeit, Auswertung und praktische Vorbereitung angesagt.

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