Geblättert

»Der Hanser-Verlag bekommt einen neuen Chef. Damit könnte eine neue Ära beginnen. Die Frage ist aber: Brauchen wir noch Verlage? (...) Die Statistik zeigt einen Trend. Autoren kommen tatsächlich immer besser ohne klassische Verlage aus. (...) Verlegerfiguren wie Jo Lendle werden sich in digitalen Zeiten die Frage stellen müssen, wie sie diese Beziehungen weiter pflegen, jetzt wo Bücher häufiger Dateien auf dem Kindle oder dem iPad sind.«
Sebastian Kempkens in der Tageszeitung »taz« über den Wechsel an der Spitze des Hanser-Verlags.

»Nach dem verheerend schlechten Jauch-Rückblick auf RTL am vergangenen Sonntag zeichnete sich nun also auch die ZDF-Jahresbilanz durch das Fehlen jeglichen politischen Bewusstseins aus. Mag man das bei den Privaten noch hinnehmen, muss man einen öffentlich-rechtlichen Sender dafür scharf kritisieren.«
Mathias Zschaler im »Spiegel« über den geplanten Talk zwischen Markus Lanz und vier frischgewählten Bundestagsabgeordneten, der aus der ZDF-Sendung »Menschen 2013« geschnitten wurde.

»Die beste Definition hat Mussolini gegeben: ›Alles durch den Staat, nichts außerhalb des Staates, nichts gegen den Staat.‹ Damit grenzt man den Totalitarismus vor allem gegen den Versuch ab, ihn mit Steve Jobs, Google oder Yahoo in Verbindung zu bringen. (...) Der Begriff Totalitarismus hilft zu verstehen, was der sowjetische Herrscher Josef Stalin in der Nachkriegszeit in Osteuropa versuchte durchzusetzen.«
Die Historikerin Anne Applebaum in einem Interview mit der »Frankfurter Rundschau« über den Totalitarismus, das Europa der Nachkriegszeit und die Überwachungsszenarien angesichts der digitalen Revolution.

»Wie jeder Künstler, der auf sich hält, pflegt Herrndorf seine Idiosynkrasien: die Abneigung gegen Uwe Tellkamp, Thor Kunkel und die jüngste Prosa Christian Krachts, gegen Gespreiztheiten und Blindheit des Feuilletons. Begeisternd ist er als Leser, der Thomas Manns Tricksereien gegen das bieder-platte Missverständnis verteidigt, der Karl Philipp Moritz, Stendhal und Nabokov bewundert, ohne Schwächen seiner Helden zu übersehen.«
Jens Bisky in der »Süddeutschen Zeitung« über das Buch »Arbeit und Struktur« des im August dieses Jahres verstorbenen Wolfgang Herrndorf

»1914 war das Verhältnis Deutschlands zu Frankreich und Großbritannien leidlich entspannt. Sollte nicht die kapitalistische Ordnung, die weltwirtschaftliche Verflechtung einen Krieg der großen Mächte ausschließen? Nicht bloß die Liberalen, auch Karl Kautsky, führender Kopf der Sozialdemokratie, hat 1914 so gedacht. Und wenn die Überlegung in die Irre führte, war sie nicht schlechthin unsinnig. Den Interessen des Kapitals lief der Krieg entgegen, aber diese Interessen dominierten die Politik nicht im unterstellten Ausmaß.«
Stephan Speicher in der »Süddeutschen Zeitung« über Herfried Münklers neues Buch »Der große Krieg - Die Welt 1914-1918«.

»Nelson Mandela hat mich aus meinem Gefängnis des Vorurteils und der Furcht befreit. Er war niemals in Gefängnismauern, wir Weißen aber wohl. Er ließ uns nie vergessen, wie wichtig es ist, als Vorbild zu führen. Selbst in seinen letzten schmerzlichen Monaten nahm er uns an die Hand auf dem langen, langsamen Weg zu seiner nächsten Freiheit, brachte uns zum Erkennen seiner Gebrechlichkeit.«
Pieter-Dirk Uys, südafrikanischer Satiriker und Travestiekünstler, der in der Rolle der politisch inkorrekten Burenfrau Evita Bezuidenhout zu den Lieblingskünstlern des verstorbenen Freiheitskämpfers und früheren Staatspräsidenten Südafrikas Nelson Mandela gehörte, in der »FAZ«.

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