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Medizin für chronisch Kranke

In der Hochschulambulanz für Naturheilkunde der Charité in Berlin Mitte wird behandelt und geforscht

Akupunktur statt Tabletten: Damit Krankenkassen solche Behandlungen zum Beispiel bei Heuschnupfen anerkennen, müssen weitere Studien erfolgreich sein.

In die Ambulanz auf dem Charité-Gelände in Mitte kommen Patienten eher selten per Überweisung aus anderen Abteilungen des Universitätsklinikums. Es sind also nicht die schweren, akuten Fälle, die hier Hilfe suchen, sondern eher chronisch Kranke. Sie leiden an Rücken- oder Kniebeschwerden oder einem Reizdarm, berichtet der Leiter der Ambulanz, der Internist Benno Brinkhaus. Mitunter waren sie zuvor schon bei Dutzenden Ärzten, nehmen Medikamente, fühlen aber keine Besserung. Dann kann manchmal eine der komplementären Therapien - darunter Akupunktur, Homöopathie oder Schröpfen - Linderung bringen.

Die Hochschulambulanz der Charité ist nun keineswegs nur eine Ergänzung des schon umfassenden naturheilkundlichen Angebotes in Berlin in einem prominenten Rahmen. Die Mediziner - alle auch konventionell ausgebildete Internisten, Allgemeinärzte und Orthopäden - wollen die oft schon über Jahrhunderte oder Jahrzehnte angewandten Methoden, auf die viele Europäer gern zurückgreifen, genauer untersuchen. Parallel zur Behandlung, zu Kursen und auch Vorträgen laufen wissenschaftliche Studien zur Evaluation der angewendeten Verfahren.

Zurzeit geht es in einer Studie um die Effekte des Walkens, also des sportlichen Gehens, auf chronische Rückenschmerzen, außerdem um Akupressur bei Regelschmerzen. Eine weitere Studie widmet sich dem Erschöpfungssyndrom bei Multipler Sklerose. Hier soll untersucht werden, ob Akupunktur den Kranken helfen kann. Für eine neue Studie ab nächsten März werden noch Menschen mit Schmerzen in der Lendenwirbelsäule gesucht, die sich mit Schröpfen behandeln lassen wollen.

Zu den Grundpfeilern der hier praktizierten Integrativen Medizin gehört die Aufforderung zur Änderung des Lebensstils. Benno Brinkhaus, der auch Arzt für Akupunktur und Naturheilverfahren ist, erklärt das so: »Es geht uns nicht um die radikale Ablehnung der konventionellen Medizin, im Gegenteil, alle Ärzte haben eine solche Ausbildung.« Ihre Therapien sollen durch andere Ansätze ergänzt werden. »Wenn ich meine Akupunkturpatienten regelmäßig sehe, kann ich immer wieder nachfragen, wie es mit der Ernährung, mit dem Sport- und Entspannungsprogramm steht.« Deshalb zählen auch Yoga, Qigong- und Tai Chi-Kurse zu den Angeboten der Ambulanz, ebenso wie Gesundheitscoaching etwa zum Abnehmen oder Gesundheitstraining für Unternehmen.

Die Hochschulambulanz hatte einen Vorgänger, die »Charité-Ambulanz für Prävention und integrative Medizin«, kurz CHAMP. Mit dieser Einrichtung, die von 2007 bis 2012 bestand, wurde die Verknüpfung von Forschung, Prävention und Komplementärmedizin an der Charité etabliert. Etwas länger existiert die Ambulanz am Immanuel-Krankenhaus in Wannsee. Dort können Patienten bei bestimmten Indikationen auch stationär aufgenommen werden.

Zurück zum Standort Mitte: Die Hochschulambulanz für Naturheilkunde ermöglicht es seit 2012, in begrenztem Umfang auch Kassenpatienten zu behandeln. Zeitaufwendige naturheilkundliche Leistungen wie etwa Akupunktur, Hypnose und Schröpfen müssen allerdings selbst gezahlt werden. Nehmen Interessierte an einer Studie teil, ist die Behandlung zumeist kostenlos, sie erhalten aber keine Aufwandsentschädigung,

Erfolgreiche Forschung im Bereich der Komplementärmedizin hat in den Jahren 2001 bis 2006 dazu beigetragen, dass erste Leistungen wie die Akupunktur bei chronischen Rücken- oder Knieschmerzen in den Kassenkatalog aufgenommen wurden.

Zum Thema Akupunktur bei Heuschnupfen konnte die Arbeitsgruppe von Brinkhaus gerade kürzlich eine Studie mit 422 Patienten abschließen. Diese zeigte, dass die Nadeln besser wirken als ihr Einsatz an Nicht-Akupunkturpunkten oder die ansonsten üblichen Antihistaminika allein. Die Akupunkturbehandlung wirkte sogar noch im nächsten Jahr nach, berichtet Brinkhaus. Zwar wurde nun schon in einigen Studien eine deutliche Linderung der Heuschnupfenbeschwerden gefunden, bis aber die gesetzlichen Krankenkassen darauf reagieren, müssten noch zwei bis drei weitere Untersuchungen von anderen Forschern ein ähnliches Ergebnis erzielen.

Nun werden nicht alle, die Hilfe jenseits der konventionellen Medizin suchen, unbedingt in die Charité gehen. Wie lässt sich ein passender und qualifizierter Therapeut finden? Benno Brinkhaus meint: »Die Entscheidung für einen Arzt, der die Verfahren anwendet, hat den Vorteil, dass der Mediziner mindestens ein sechsjähriges Studium abgeschlossen hat, dazu meist noch eine Facharztausbildung.« Die Heilpraktikerausbildung kann bis zu drei Jahre Vollzeit in Anspruch nehmen, es gibt aber viele Varianten.

Wichtig sei bei beiden Gruppen die Ausbildungsdauer in der jeweiligen speziellen Therapie wie Akupunktur, Naturheilverfahren oder Osteopathie. Hier sollten die Patienten durchaus nach den absolvierten Stunden und Zertifikaten fragen. Die Fachgesellschaften der Ärzte und Heilpraktiker bieten auf ihren Webseiten eine Therapeutensuche an. Ein weiteres Kriterium ist eine mehrjährige Erfahrung in der Anwendung des Heilverfahrens.

Termine, Kurse und weitere Informationen im Netz unter: www.hochschulambulanz-naturheilkunde.de

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