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»Den Rentnern geht es so gut wie nie«

Wirklich? Aufklärung über die Mythen der Rentendebatte gibt es hier in einer Serie @ndaktuell

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In Deutschland werden die Älteren immer älter – und sie werden immer mehr. Viele fragen sich: Wer soll künftig die Rente all der 90-Jährigen bezahlen? Um die Alterssicherung »zukunftsfest« zu machen, wurde sie in den vergangenen Jahren mehrfach »reformiert« und »umgebaut«, weil »Sachzwänge« dies angeblich verlangen. Doch das Problem ist kein biologisches, sondern ein ökonomisches und politisches. Es geht um Verteilungsfragen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung stellt den gängigen Behauptungen in einer von Sabine Reiner unter Mitarbeit von Ingo Schäfer verfassten Broschüre Antworten entgegen – Aufklärung gegen die Mythen der herrschenden Rentenpolitik lesen Sie hier täglich in einer nd-Reihe.

»Den Rentnern geht es so gut wie nie«

Was gesagt wird:

»Deutschlands Rentnern geht es so gut wie nie«, jubelte die »Bild«-Zeitung Ende 2012. Der wissenschaftliche Beirat beim Wirtschaftsministerium hält den Begriff »altersarm« für »emotionsbesetzt«. Er stellt fest, dass Armut im Alter gegenwärtig nicht besonders verbreitet sei. Altersarmut habe auch nichts mit Rentenreformen zu tun, sondern mit »unzureichenden Erwerbsbiografien«. Künftig werde das Risiko der Altersarmut wegen der Absenkung des Rentenniveaus zwar etwas steigen. Altersarmut entstehe aber nur, wenn die Absenkung des Rentenniveaus nicht durch Riester- oder Betriebsrente ausgeglichen werde.

Was ist dran?

Es stimmt: Ältere Menschen sind heute etwas weniger armutsgefährdet als der Durchschnitt der Bevölkerung. Etwa jede und jeder Siebte gilt als gefährdet, Frauen etwas häufiger als Männer. Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung erhalten nur 2,6 Prozent der über 65-Jährigen. Sie liegt bei knapp 700 Euro. Allerdings gibt es viele Ältere, die eine so geringe Rente beziehen, dass sie Anspruch auf Grundsicherung hätten. Doch aus Scham oder Unwissenheit beantragen sie sie nicht.

So weit die Lage – die sich jedoch rapide ändert: Die Ausgaben der Kommunen (und künftig des Bundes) für die Grundsicherung haben sich in den letzten zehn Jahren von rund zwei auf fast fünf Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Und sie wachsen mit großem Tempo weiter. Denn schon heute sind das abgesenkte Rentenniveau und die Folgen von Arbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung bei den Renten spürbar. Immer weniger Menschen sind unbefristet und sozialversichert in Vollzeit beschäftigt.

Für Frauen war das ohnehin bisher schon die Ausnahme. Ihre Renten sind daher schon immer deutlich niedriger als die von Männern – vor allem in Westdeutschland.

Deutlich wird die Verschlechterung bei einem Vergleich der durchschnittlichen Beträge für diejenigen, die bereits Rente erhalten, und diejenigen, die neu hinzukommen. In den alten Bundesländern erhalten die heutigen Rentner im Durchschnitt 1.005 Euro Altersrente monatlich. Männer, die jetzt erst in Rente gehen, erhalten nur noch 898 Euro. Westdeutsche Rentnerinnen erhalten 508 Euro. Auch für neu hinzugekommene Rentnerinnen ist der Zahlbetrag auf 493 Euro gesunken, obwohl doch die Erwerbsbeteiligung von Frauen gestiegen ist.

Für Ostdeutschland sind die Zahlen etwas anders, weil noch immer Unterschiede bei der Rentenberechnung bestehen: Zu DDR-Zeiten waren die Erwerbsbiografien stabiler, doch damals gab es keine zusätzliche Betriebsrente. Zudem war die Erwerbsbeteiligung von Frauen deutlich höher. Ostdeutsche Frauen erhalten daher im Schnitt eine Altersrente von 730 Euro, neu Hinzukommende erhalten 753 Euro. Männer haben bisher eine Rente von 1.073 Euro, Neuzugänge erhalten nur noch 903 Euro.

Dies sind aber nur Durchschnittsbeträge. Die Hälfte der Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung allein liegt unter dem Grundsicherungsniveau, bei Frauen sind es zwei Drittel. Viele kommen nur deshalb über die Runden, weil sie eine zusätzliche Betriebsrente haben oder Witwenrente oder -pension erhalten. Immer mehr Menschen arbeiten auch im Alter weiter. So haben rund 800.000 über 65-Jährige einen Minijob, 120.000 MinijobberInnen sind sogar 75 oder älter.

Den RentnerInnen mag es also »so gut wie nie« gehen – besser wird es aber auf jeden Fall nicht. Sondern schlechter, dafür haben die Rentenreformen gesorgt. Künftig werden immer längere Beitragszeiten nötig sein, um eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu erhalten. Wer mit 2.700 Euro brutto im Monat durchschnittlich verdient, musste zur Jahrtausendwende 27 Jahre Beiträge zahlen, um dieses Niveau zu erreichen. Heute sind es schon 29 Jahre, und 2030 werden es 33 Jahre sein. Wer zum Beispiel nur 2.000 Euro brutto verdient, muss heute 39 Jahre für eine Rente auf Grundsicherungsniveau arbeiten. 2030 werden es 44 Jahre sein.

Die von Sabine Reiner unter Mitarbeit von Ingo Schäfer verfasste Broschüre »Alte kassieren! Junge zahlen nur drauf!« ist in der Reihe »luxemburg argumente« erschienen und kann bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung bestellt werden.

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