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Am Feindbild Mandela gebastelt

Auch Bundestagsabgeordnete lassen sich für Kampagnen der »Menschenrechtler« der IGfM einspannen

  • Von Günter Platzdasch
  • Lesedauer: 4 Min.

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Es gibt Abgeordnete, die Nelson Mandela bewundern - und sich zugleich von dessen Feinden für Kampagnen einspannen lassen. Ob ihnen der Widerspruch bewusst ist?

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Kindler erinnerte nach dem Tod von Nelson Mandela per Twitter an die alte Bundesrepublik und ihre internationalen Verbündeten: »Konservative wie Reagan, Thatcher, FJ Strauß haben sich lange für Apartheid und gegen Mandela eingesetzt.« Aber neben Unionsabgeordneten geben auch SPD-Abgeordnete und Grüne - darunter Sven Kindler - für Kampagnen gegen den Iran und Kuba ihre Namen ausgerechnet der Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM), die einst gegen die Freilassung des »Terroristen« Mandela agitierte.

Auf der Internetseite von Amnesty International findet man eine Würdigung Mandelas, auf der IGfM-Homepage keine Silbe. Denn wie einst »Unimog« von Daimler-Benz dem Rassistenregime in Straßenkämpfen dienten, so kam deutsche Hilfe an der ideologischen Front von der IGfM. In Jahresberichten dieser Menschenrechtler Anfang der achtziger Jahre tauchte Südafrika überhaupt nicht auf, obwohl erstmals Heerestruppen statt Polizei Schwarzen-Wohngebiete stürmten und mit Bombenanschlägen ein »schmutziger Krieg« gegen Menschenrechtsaktivisten geführt wurde, wie Ex-Minister Adriaan Vlok später vor Südafrikas Wahrheitskommission bezeugte.

Erst als es mit der Apartheid zu Ende ging, widmete sich die IGfM der Lage im südlichen Afrika - viel Verständnis für den Kurs des Rassistenregimes war gepaart mit heftiger Kritik an den Befreiungsbewegungen SWAPO und ANC. In Tageszeitungen appellierte sie 1986 per Anzeige »Südafrika-Boykott - Nein«. In einer Gesamtauflage von 200 000 Exemplaren verbreitete die IGfM ihre Erklärung »Südafrika und die Menschenrechte«, in der sie vor der Freilassung »des wegen Sabotage und Vorbereitung eines Umsturzes verurteilten Führers des ANC, Nelson Mandela, in dessen Besitz Tausende von Waffen gefunden wurden«, warnte: Wie könne man hoffen, »dass er in der Freiheit seine Meinung ändern und sich zur Gewaltlosigkeit bekehren wird? Eher ist anzunehmen, dass er konsequent bleibt, wie in den letzten zwanzig Jahren und zur Steigerung der Gewalt beitragen wird«.

Südafrika-Kontaktmann der IGfM war Peter Hammond, ein früherer Scharfschütze der Armee und Geheimdienstler. Anfang 1988 gab es ein Koordinierungstreffen mit Denis Walker, monarchistisch-antikommunistischer Ex-Minister Rhodesiens (das heutige Simbabwe) mit besten Geheimdienstverbindungen, und John Redfern, rhodesischer Militärgeheimdienstdirektor. Gemäß Protokollpunkt 13 erörterten diese Menschenrechtler, was Lonrho-Konzernboss Nik Kruger in Südafrika mit Wahlkampfspenden anstellt. In einem Schreiben bremste sogar das - nach Abberufung des apartheidkritischen Botschafters Eickhoff auf Unionslinie gebrachte - Auswärtige Amt 1989 das IGfM-Engagement für in Simbabwe Inhaftierte und machte in einem Schreiben aufmerksam (Aktenzeichen 320-504.80 SIM): Kevin Woods, Michael Smith und Philip Conjwayo seien wegen Mordes verurteilt. Bei einem Sprengstoffanschlag auf ein ANC-Haus in Bulawayo hatte es ein Todesopfer gegeben. 2006 wurde das Trio rhodesischer Spione, die Südafrikas Geheimdienst für Destabilisierungsmaßnahmen übernommen hatte, schließlich vorzeitig freigelassen - dafür hatte Mandela sich bei Mugabe eingesetzt.

In einem Artikel »über die Gefängnisbedingungen« Mandelas verfälschte die IGfM-Zeitschrift »Menschenrechte« unter der Überschrift »Es sah sehr, sehr gut aus« eine Äußerung Winnie Mandelas über eine Begegnung mit ihrem Mann (»er sah sehr, sehr gut aus«) zur Verharmlosung von Haftbedingungen. In derselben Zeitschrift gab es Schelte für Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der in seiner Weihnachtsansprache gefordert hatte, Rudolf Heß, Andrei Sacharow und Nelson Mandela freizulassen - wohlgemerkt nur hinsichtlich der Freilassung Mandelas. Ein »Bericht über die Reise einer IGfM-Gruppe nach Südafrika« zeigte 1987, wo der Feind stand: Man traf die Organisation »Victims against Terrorism«, die es »sich zur Aufgabe gemacht hat, sich um Opfer des - vornehmlich vom ANC ausgehenden - Terrors zu kümmern und die Öffentlichkeit über die (kommunistischen) Hintergründe dieser Terroranschläge in Südafrika aufzuklären«. Führend in der Propagandaorganisation VAT war der Geheimdienstler Arthur Kemp, Hauptverdächtiger des Mordkomplotts gegen Kommunistenführer Chris Hani.

In einem Offenen Brief an Bundestagsabgeordnete kritisierte die IGfM 1986 die Unterstützung des ANC (»sie sind Kriminelle«) und orakelte: Es sei »gar nicht illusorisch, dass Nelson Mandela einmal - auch dank deutscher Hilfe freigelassen - in Südafrika an die Macht kommt, dort ein Terror-Regime errichtet und vielleicht sogar Ausbildungsbasen für die nächste Generation deutscher Terroristen zur Verfügung stellt«. Das Schreiben sollten sich heutige Abgeordnete, bei denen die IGfM um ihre »Patenschaftsprogramme« buhlt, aus dem Parlamentsarchiv heraussuchen lassen.

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