»Wir werden nicht aufgeben«

In der Türkei begann ein Terrorprozess gegen 22 Menschenrechtsanwälte

  • Von Thomas Eipeldauer, Istanbul
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

In Silivri nahe Istanbul findet seit Dienstag ein weiterer Massenprozess gegen fortschrittliche Anwälte statt, denen langjährige Haftstrafen drohen.

»Wir haben ein sehr langes Gedächtnis. Wenn wir hier sind, weil ihr uns zwingen wollt, unseren Kampf aufzugeben, dann könnt ihr das Verfahren gleich einstellen. Denn das wird nicht geschehen.« Selçuk Kozağaçlı ist angriffslustig. Er macht nicht den Eindruck, als sei er hier, im Gerichtssaal des Gefangenenlagers Silivri, in der Defensive. Kozağaçlı ist der Präsident der Fortschrittlichen Anwaltsvereinigung (CHD), des größten linken Zusammenschlusses von Juristen in der Türkei. Die CHD vertritt Folteropfer, politische Aktivisten, Familien von Ermordeten, Arbeiter, die um ihre Rechte kämpfen. Zusammen mit 21 seiner Kollegen muss sich Kozağaçlı seit Dienstag wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in der als »terroristisch« eingestuften Revolutionären Volksbefreiungsfront (DHKP-C) verantworten.

Sie sollen, so will es die Anklageschrift, im Auftrag der Organisation Gelder beschafft, Informationen und Bef...


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