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Eisfabrikbewohner bitten um Kirchenasyl

Eigentümer muss das von Obdachlosen bewohnte Areal in der Köpenicker Straße per Gerichtsentscheid sichern

Für die Bewohner der Eisfabrik in der Köpenicker Straße wird es langsam brenzlig. In einem Schreiben wurden sie aufgefordert, das Haus umgehend zu verlassen.

Die Unterbringung von 20 Bulgaren aus der ehemaligen Berliner Eisfabrik ist für eine weitere Woche gesichert. Der Sozialstadtrat von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), versicherte am Sonntag, der Bezirk übernehme bis zum 6. Januar die Kosten für ein Hostel. Für diesen Termin sei ein Treffen mit Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) vereinbart, bei dem über das weitere Vorgehen entschieden werde. Für die 35 Menschen, die bis gestern noch in der ehemaligen Eisfabrik in der Köpenicker Straße in Mitte campieren, gab es noch am Weihnachtstag wenig Besinnliches. Das Verwaltungsgericht hatte die Eigentümerin des Gebäudes, die Telamon GmbH aus Bochum, mit Beschluss vom 20. Dezember dazu aufgefordert, die dort lebenden Menschen, die überwiegen aus Bulgarien und Rumänien kommen, vom Gelände zu verweisen, da es erhebliche Sicherheitsbedenken gäbe. Bis zum gestrigen Freitag 9 Uhr sollte das Areal eigentlich geräumt werden, zur Not auch mit Hilfe der Polizei, hieß es in einer Bekanntmachung von Telamon vom Dienstag.

Schon am frühen Freitagmorgen hatten sich rund 70 Aktivisten vom »Bündnis Zwangsräumungen verhindern« versammelt, um für eine menschenwürdigere Unterkunft zu protestieren. Auch Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung und Mitarbeiter des Sozialamts waren gekommen. Offiziell soll es aber erst am 6. Januar ein gemeinsames Gespräch mit Vertretern des Bezirks geben. Solange ist die Lage unklar. Bis Redaktionsschluss stand nicht fest, ob eine Räumung tatsächlich durchgesetzt wird. Einige der Bewohner baten unterdessen am frühen Freitagnachmittag in der Sankt Michael Kirche in Mitte um Kirchenasyl.

Bei der Polizei ist die Lage in der Eisfabrik zumindest als Hausfriedensbruch angezeigt. »Weitere Schritte werden wir erst mal nicht unternehmen«, sagt Thomas Durchlaub, Geschäftsführer der Telamon gegenüber »nd«. Er sieht den Bezirk in der Verantwortung, zuerst die Obdachlosigkeit der Bewohner zu beenden. So hatte es auch das Gericht gesehen. Das Sozialamt bot aber bisher nur Kostenübernahmescheine für Pensionen, gültig bis zum 6. Januar, an.

In der Nacht zum 27. Dezember hatte sich die Situation in der Eisfabrik zugespitzt, erzählt Sara Walter vom Bündnis gegen Zwangsräumung. Gegen 21 Uhr sollen zehn bis zwölf Männer mit Eisenstangen bewaffnet das Gebäude betreten haben. Drei Stunden später flogen Böller vom Dach des Hauses, auch ein Feuer soll ausgebrochen sein.

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