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Ein Vorsatz für 2014

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.
Das vergangene Jahr war erfolgreich für die vegane Bewegung. Doch auf dem Erfolg ausruhen gilt nicht, denn es gibt auch Gegentendenzen. Von der Politik dürfen sich Veganer 2014 jedenfalls keine Unterstützung erhoffen.

2013 war – und hier wird im Gegensatz zu manch anderen Ereignis keinesfalls übertrieben – ein veganes Jahr. Die Fakten sprechen für sich: Mehr als ein Dutzend Kochbücher sind allein in den vergangen zwölf Monaten erschienen, das vegan-vegtarische Sommerfest zog im August mehr als zehntausend Besucher auf den Berliner Alexanderplatz. Auch die Wirtschaft hat bei etwa einer Milliarde Umsatz mit veganen Produkten inzwischen erkannt, dass das Bild vom Bäume umarmenden Körnerfetischisten ein Trugbild aus Vorurteilen sein könnte.

Veganismus ist und das trotz aller berechtigter Kritik an der Gefahr eines schnell vorübergehenden Hypes, langsam auf dem Weg, wie heutzutage bereits der Vegetarismus, zu einer breiten Bewegung zu werden. Immerhin schätzt der Vegetarierbund Deutschland die Zahl der in Deutschland lebenden Veganer auf über 800000 Menschen. 2013 dürften es angesichts von Pferdefleisch und anderen Lebensmittelskandalen noch einige mehr geworden sein. Darin liegt die Stärke und zugleich größte Schwäche der veganen Bewegung: Mit jeder neuen Meldung über unwürdige Haltungsbedingungen in den Tierfabriken wächst die Zahl derjenigen, die auf Fleisch, Milch, Eier und andere tierischer Produkte verzichten. Doch so schnell wie die Nachricht verdaut ist, kann der Trend auch wieder kippen. Mode zeichnet sich bekanntlich nicht durch Beständigkeit aus. Mitschwimmen auf einem Hype ist noch längst nicht mit einem Handeln aus Überzeugung zu verwechseln.

Zwar ist die Gesellschaft offen wie nie zuvor für neue Ideen, wie eine Themenwoche in der »Zeit« zum Veganismus zeigte, doch genauso gibt es starke Gegentendenzen. Fleisch gehört zum Leben dazu, provozierte das zur tageszeitung gehörende Zeo2 Magazin. Es mag auf den ersten Blick verwundern, dass die Kritik am Veganismus ausgerechnet von links am lautesten schallt. Die Linke tut sich schwer, die Zusammenhänge zwischen der Befreiung von Mensch und Tier zu erkennen. Dabei ist die Wechselwirkung zwischen der Gefräßigkeit der Industrienationen und dem Hunger hunderter Millionen Menschen seit Jahrzehnten offensichtlich: Man braucht kein Studium der Agrarwissenschaften, um einen Übeltäter auszumachen. Es gibt zwei Methoden, den Hunger zu steigern: Entweder, die Welt verbrennt große Teile der weltweiten Getreide- und Sojaernte oder sie verfüttert diese an Rinder, Schweine und andere so genannte Nutztiere. Die Menschheit tut derzeit beides: Lebensmittel in den Tank und Futtertrog.

Als guter Vorsatz für 2014 reicht es, sich selbst eine Frage zu stellen: Rechtfertigt ein wenige Minuten andauernder Gaumenkitzel die daraus resultierenden sozialen, ökologischen, ökonomischen und ethischen Folgen? Antwort ungewiss, den vielen ist das Steak auf dem Teller näher als eine Auseinandersetzung mit den irrwitzigen Brüsseler Agrarsubventionsmilliarden. Der Sonntagsbraten wäre längst in den meisten Haushalten wieder Realität, würden Verbraucher an der Supermarktkasse den realen Preis für ein Schnitzel bezahlen.

Dass wir damit in nächster Zeit nicht rechnen müssen, ist ebenso eine Wahrheit des Jahres 2013. Im Bundesagrarministerium hat mit Hans-Peter Friedrich weiter ein CSU-Politiker das Kommando. Die Erfahrungen mit seiner Parteifreundin Ilse Aigner dürften Hinweis genug sein, um sich keine großen Hoffnungen auf grundlegende Reformen in der Landwirtschaft machen zu können. Eher reagiert Friedrich mit einem neuen Zehnpunkteplan. Ein Bayer wie er, wird den Wähler die Lust auf Weißwurst und Leberkäse niemals verderben. Politik wird insofern auch an der Fleischtheke betrieben.

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