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Seebrücken - Lust und Last

Die langen Flanierstege ins Meer locken zahlreiche Touristen an, aber sie kosten die Ostseekommunen auch viel Geld

  • Von Martina Rathke, Heringsdorf
  • Lesedauer: 4 Min.
Seebrücken sind wichtig für das Flair etlicher Küstenorte Mecklenburg-Vorpommerns. Viele sind rund zwanzig Jahre alt - die anfallenden Instandhaltungskosten werden für die Kommunen zum Problem.

Den Wind im Gesicht, den Geschmack von Salz auf der Zunge - auf den Seebrücken in Mecklenburg-Vorpommern kann man das Meer pur spüren. Jeweils mehrere Hundert Meter reichen die Seebrücken in die Ostsee hinein.

Rund 20 Jahre nach dem Bau neuer und der Sanierung historischer Küstenbauwerke stehen größere Investitionen an. Für die Gemeinden sind die Instandhaltungskosten eine finanzielle Herausforderung. In Koserow auf der Insel Usedom muss die Seebrücke wegen Bauschäden bis 2014 gesperrt bleiben. In Lubmin hat Orkantief »Xaver« der Brücke zugesetzt und Planken gelöst. Trotzdem möchte keine Gemeinde auf die Seebrücken verzichten, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Das Land förderte nach der Wende die Wiederherrichtung und den Bau von 19 Brücken mit umgerechnet 18,8 Millionen Euro. So wurden in Zinnowitz, Boltenhagen, Prerow, Heiligendamm und Lubmin neue Seebrücken erbaut - in Sellin nach altem Vorbild. In Ahlbeck wurde die historische Brücke saniert und um einen Seesteg ergänzt. Das Problem: Gemäß den Förderregeln müssen die Gemeinden für den Erhalt und die Sanierung der Brücken selbst aufkommen.

»Ohne Seebrücke wäre Sellin in die touristische Bedeutungslosigkeit abgesunken«, meinte Bürgermeister Reinhardt Liedtke. Im Jahr 1978 wurde der historische Bau mit der einst pittoresken Konzerthalle abgerissen. Nach der Wende erfolgte der Wiederaufbau. Anders als Binz, Göhren oder Baabe hat Sellin keinen breiten Sandstrand. »Die Besucher kommen nach Sellin, weil sie die Seebrücke sehen und erleben wollen«, sagte Liedtke. Der Erhalt ist für die Gemeinde ein Kraftakt. Für Reparaturen werden jährlich rund 30 000 Euro eingeplant. In zwei Jahren steht der Ersatz der Bodenbeläge an. »Die 150 000 bis 180 000 Euro, die wir dafür brauchen, müssen angespart werden.«

In Koserow auf der Insel Usedom ist die 261 Meter lange Seebrücke seit Spätsommer 2013 gesperrt - wegen gravierender Schäden an der Holz- und Tragkonstruktion. »Wir hoffen, dass wir die Seebrücke zum Saisonbeginn 2014 wieder eröffnen können«, sagte Kurdirektorin Nadine Specht. Die Kosten könnten sich ersten Schätzungen zufolge im sechsstelligen, wenn nicht sogar im Millionenbereich bewegen, die Finanzierung ist bislang nicht geklärt. Trotz aller Probleme: Die vor 20 Jahren eröffnete Seebrücke sei unverzichtbar für Koserow, betonte Specht.

Die Gemeinde Heringsdorf auf Usedom hat mit Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf gleich drei Seebrücken. Die historische Brücke von Ahlbeck ist spätestens seit dem Loriot-Film »Pappa ante Portas« der mit Abstand berühmteste Seesteg an der Küste. Alle sind Fotomotive, Bummelmeile und Anlegesteg für Schiffe, sagt Bürgermeister Lars Petersen. Aus dem touristischen Leben sind die Seestege nicht wegzudenken, doch die Sanierung und Instandhaltung kostet die Gemeinde viel Geld, finanziert aus der Kurtaxe.

Rund 300 000 Euro flossen im vergangenen Jahr in die Reparatur der denkmalgeschützten Brücke in Ahlbeck. In diesem Jahr soll die Fassade des Seebrückengebäudes neu gestrichen werden. »Wenn man wie in Ahlbeck die älteste Seebrücke Deutschlands hat, dann hat man die Verpflichtung, sie auch zu erhalten«, sagte Mike Golon, der für die Seebrücken Verantwortliche im Eigenbetrieb der Gemeinde Heringsdorf.

An der Seebrücke in Bansin wurden 2012 Geländer, Belag und Elektroversorgung erneuert. Kosten: rund 400 000 Euro. Die Mitte der 1990er Jahre errichtete Brücke sei damit für die Zukunft gut gerüstet. Trotzdem fallen pro Jahr rund 5000 bis 10 000 Euro laufende Kosten an.

Eisgang und Herbststürme führten in den vergangenen Jahren immer wieder zu kurzfristigen Sperrungen wie in Heiligendamm und Zingst, Reparaturen wurden nötig. In Heiligendamm wurden 2012 rund 170 000 Euro für die Erneuerung der Beplankung ausgegeben. »Wir mussten dafür richtig Geld zusammenkratzen«, sagte der Leiter des Bürgeramtes, Gerhard Kukla.

250 000 Euro nimmt Bad Doberan an Kurtaxe jährlich ein. Die Ausgaben für den Erhalt der touristischen Ínfrastruktur überstiegen jedoch deutlich die Einnahmen. »Eine Seebrücke kann finanziell nie ein gewinnbringendes Objekt sein«, erklärt Heiligendamms Tourismuschefin Kerstin Morgenroth. »Aber die Gäste erwarten, dass ein Seebad auch eine Seebrücke hat.«

Die Seebrücken sind auch ein Wirtschaftsfaktor: Auf der vor 20 Jahren erbauten, privat betriebenen Seebrücke Heringsdorf entstand eine Ladenmeile. Auf den historischen Seebrücken Ahlbeck und Sellin (Insel Rügen) wurden nach der Wende Restaurants wiederbelebt. An den Seebrücken in Zinnowitz, Sellin und Zingst können wissensdurstige Besucher in Gondeln in die Ostsee abtauchen.

Fahrgastschiff-Reedereien profitieren auf der Insel Rügen und der Insel Usedom vom »Seebrücken-Hopping«. Auch in Heiligendamm wünscht man sich, dass Schiffe anlegen. Doch dafür ist die Seebrücke mit 200 Metern zu kurz. Und für eine Verlängerung fehlt das Geld. dpa/nd

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